Bild des Monats: Herbst an der Roßtrappe und der Tod einer Kamera

BLOG!

Bild des Monats: Herbst an der Roßtrappe und der Tod einer Kamera

Wer schon immer einmal wissen wollte, wie man mehrere tausend Euro Kameraausrüstung binnen 2 Sekunden und ohne eigenes Zutun in die ewigen Jagdgründe versenkt, der frage mich. Ich weiß es seit dem letzten Wochenende nämlich. Dabei begann selbiges durchaus fantastisch.

Für einen Reiseveranstalter sollte ich eine herbstliche Foto-Tour durch den Harz zusammenstellen. Ich machte mich also auf den Weg ins malerische Bodetal bei Thale. Das Wetter war absolut traumhaft: blauer Himmel, Temperaturen um die fast 25 Grad. Das sonnige Wetter lockte Touristenmassen in die Biergärten und Fotografen und Outdoor-Begeisterte auf die Wanderwege. Und das Ende Oktober. Kaum ein Wölkchen verirrte sich am Himmel, eigentlich war es fast schon zu langweilig zum Fotografieren.

Ich nutzte das schöne Herbstwetter zum Location Scouting und zu entspannten Foto-Wanderungen durch das Bodetal bis nach Ilsenburg, auf dem Harzer Hexenstieg und entlang der Teufelsmauer. Zum Abschluss des sonnigen Wochenendes wollte ich zur blauen Stunde noch eine letzte Bildserie an der Roßtrappe aufnehmen.

Die Roßtrappe ist ein markantes Granitmassiv, dass  sich auf über 400 Meter steil über dem Bodetal erhebt. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick in die Bodeschlucht, auf den gegenüber liegenden Hexentanzplatz und in das gesamte Harzvorland.

Im letzten Restlicht nehme ich gerade einige Belichtungsreihen auf. Was dann passiert, mutet fast genauso sagenhaft an,  wie eine alte Volkssage, die sich um die Roßtrappe rankt:

„Einst verfolgte der Riese Bodo die schöne Königstochter Brunhilde, die er gegen ihren Willen heiraten wollte. Brunhilde entfloh auf einem weißen Ross, jedoch tat sich plötzlich vor ihr ein tiefer Abgrund auf. Sie setzte mit einem kühnen Sprung zum jenseitigen Felsen über, wobei sie ihre Krone verlor, die im reißenden Fluss versank. Ihr Verfolger Bodo schaffte es hingegen nicht, stürzte in die Tiefe und wurde in einen Hund verwandelt, der seitdem die Krone der Prinzessin bewachen muss. Der Hufabdruck des Pferdes ist noch heute im Fels zu sehen und Fluss trug fortan den Namen des Riesen Bode.“

Meine D800 löst sich plötzlich vom Arca Swiss-Stativkopf und rauschte  der Krone Brunhilds gleich  in die Tiefe des Bodetals. Ich war so perplex, dass mir der Schrei sprichwörtlich im Hals stecken blieb und ich mich minutenlang fragte, ob ich das gerade wirklich erlebt habe.

Arca Swiss, was bitte ist das? Eigentlich genießt der Hersteller ein  gutes Renommee, weshalb ich mich dieses Jahr für einen Stativkopf und zugehörige Kameraplatte aus diesem Haus entschieden habe (Monoball pO fliplock mit Arca Swiss Monoball Fix48). Der Kopf machte allerdings schon beim ersten größeren Einsatz bei meiner Kasachstan-Tour Probleme, da die Kameraplatte trotz doppelter Sicherung im Schlitten des Kopfes hin- und herrutschte. Und nun auch noch das. In vielen Jahren Fotografie habe ich so etwas noch überhaupt nicht erlebt (ich hatte bislang Köpfe von Gitzo, Manfrotto, Really Right Stuff und Sirui im Einsatz).

Nachtrag:
Es kam noch besser: In der darauf folgenden Woche habe ich Arca Swiss bzw. dem deutschen Distributor arca-shop.de den Vorfall  mitgeteilt und um Prüfung gebeten. Einige Wochen später dann die Stellungnahme, unter anderem wurde resümiert:

“ (..) ist nach der Analyse des Unfalls, und praktischer Überprüfung mit Schnellspannplatte und Kameraplatte eine Fehlfunktion der beiden Produkte ausgeschlossen. (technisch nicht möglich)“

Den betreffenden Stativkopf selbst hat man übrigens nie angefordert, sondern lediglich einige Handyfotos. Insofern ein interessanter Ansatz: Man nimmt eine „Prüfung“ an Hand funktionionstüchtiger Geräte vor um dann festzustellen, da es überhaupt es gar keinen Defekt geben kann, weil die Geräte ja schließlich funktionieren. Wirklich interessant. Ich frage mich bis heute, wie man ohne das Teil überhaupt vorliegen zu haben, eine seriöse „Analyse des Unfalls“ durchführen kann.  Das wäre ungefähr so, also würde man die TÜV-Prüfung für ein Fahrzeug an Hand von Fotos durchführen. Oder die Spurensicherung der Kriminalpolizei nicht mehr zum Tatort fahren, sondern diesen via Google Maps inspizieren. Ein Wort des Bedauerns? Fehlanzeige. Stattdessen eine fast schon unverschämt zu nennende Antwort. Weitere noch unglaublichere Zitate erspare ich meinen Lesern an dieser Stelle besser.

Auf Grund meiner  negativen Erfahrungen mit Arca Swiss rate ich dringend von dem Stativkopf Monoball p0 fliplock bzw. der Kombination mit der eigens dafür erworbene Platte Arca Swiss Monoball Fix48 ab. Außerdem werde ich  Produkte dieses Herstellers angesichts der zweifelhaften und völlig kundenfeindlichen Politik zukünftig generell meiden.

Ähnliche Beiträge

Kommentare

  1. Hallo,
    habe gerade zufällig den Beitrag gelesen. Ich fotografiere ja selber recht gerne und habe daher richtig mitfühlen können, wie Sie sich in dem Moment gefühlt haben müssen. Auch noch eine D800! Wollte nur kurz mein Mitgefühl ausdrücken, auch wenn´s schon etwas her ist und Sie wahrscheinlich mittlerweile wieder eine neue Kamera haben.
    Viele Grüße,
    Carsten

    1
  2. Hallo Carsten,

    vielen Dank für deinen Kommentar und dein Mitgefühl! Ja, ich war tatsächlich etwas geknickt. Zumal so eine Kamera – wenigstens geht es mir so – ja doch immer etwas mehr ist, als einfach ein Stück Technik. Immerhin hängen zahlreiche „gemeinsame“ Erlebnisse und Erinnerungen dran. Zusätzlich ärgerlich ist das unmögliche Verhalten vom Hersteller Arca Swiss, der jegliche eigene Verantwortung (Herstellerhaftung, etc.) vehement und wenig freundlich von sich gewiesen hat. Zum Glück hat meine Equipment-Versicherung den Fall geklärt (ich empfehle allen Lesern mit hochwertiger Ausrüstung dringend, eine solche abzuschließen). Ich habe die Gelegenheit dann gleich genutzt, auf die D810 upzugraden.

    Schöne Grüße,
    David

    2
  3. Hi David,
    dann ist ja alles gut 🙂 Kenne das durchaus auch, dass man ziemlich an seiner Kamera hängt. Als ich meine jetzige neu hatte (Canon 70D) hatte ich sogar Schwierigkeiten, meine alte ins Regal zu stellen – wo sie mir doch immer so gute Dienste geleistet hat. Das mit der Versicheung ist eine gute Idee, habe ich noch nie drüber nachgedacht. Wäre für mich vielleicht auch mal sinnvoll, auch wenn meine Kamera nicht ganz so teuer ist (immer noch teuer genug). Kannst du mir einen Tipp bezügl. Versicherung / Tarif geben (gerne auch per Mail)?
    Viele Grüße,
    Carsten

    3
  4. Hallo Carsten,

    bezüglich der Versicherung gibt es in Deutschland einen Makler, der auf Fotografen-Versicherungen spezialisiert ist und u. a. auch mit der GDT kooperiert. Ich habe dir eine PN dazu geschrieben.

    Schöne Grüße,
    David

    4
Ihr Kommentar

Pflichtfeld

Pflichtfeld