Dolomiten: Im Fabelreich von König Laurin

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Dolomiten: Im Fabelreich von König Laurin

Hochalm vor Rosengartenmassiv, Tiers, Südtirol, Italien

Erwartungsfroh blättere ich durch die hübsche Südtirol-Broschüre, die kürzlich in meinen Briefkasten geflattert ist. „Gewaltig hat die Natur dieses Land und seine Menschen geformt. Alle Perspektive geht vom Berge aus. Aussichten und Ansichten.“  Als ich einige Wochen später staunend inmitten der bizarren Bergwelt der Dolomiten stehe, kann ich den Pathos verstehen, ja  teilen. Denn schnell ist man dem märchenhafter Zauber dieser Landschaft verfallen.

Wenn sich am frühen Morgen das erste Sonnenlicht in den Türmen, Zacken und Zinnen bricht, um groteske Lichtgebilde zu formen. Wenn der Sonnenuntergang die Bergspitzen in das geheimnisvolle Rote hüllt, dass die Einheimischen Enrosadürra nennen. Dann braucht es nicht viel Fantasie, sich direkt in das Fabelreich des Königs Laurin hinein versetzt zu fühlen.

Viele Menschen bringen die Dolomiten unmittelbar mit Südtirol in Verbindung. Tatsächlich aber erstrecken sich die Dolomiten zu ungefähr gleichen Teilen über die italienischen Provinzen Belluno, Trentino und eben Südtirol. Südtirol? Ich gebe es zu: vor noch gar nicht so langer Zeit schmunzelte ich insgeheim, wenn mir Leute von ihren Urlaubsplänen in dieser Gegend erzählten. Bei Südtirol dachte ich immer an rustikale Stadlromantik und schrullige Heimatfilme aus den Sechzigern.  An Heidis in karierten Dirndln und rauschebärtige Alphornbläser in abgewetzten Lederhosen. An Seniorengruppen, die mit ihren Walking-Stöcken dem glücklichem Fleckvieh zuwinken. Auch an Herzen in hölzernen Klotüren und Kastelruther Spatzen. Jetzt wo ich hier bin weiß ich: das ist kein Klischee.  Nein, all dies gibt es auch heute noch.  Und doch bin ich mehr als fasziniert.

Denn Südtirol und gerade die Dolomiten definieren sich vor allem auch durch ihre landschaftliche Extravaganz. Die Dolomiten sind in Aussehen und Geologie einzigartig. Charakteristisch ist der abrupte Wechsel von sanft gewellten Almen und steilen Riffen aus Kalk- und Dolomitgestein. Steile Felstürme ragen  bis in eine Höhe von 3.200 Metern. Selbst die UNESCO war von der „einzigartigen monumentalen Schönheit“  angetan und hat die grandiose Gebirgslandschaft erst 2009 zum Weltnaturerbe erklärt. Ein Glück für diesen Naturraum, der sich nicht gerade eben über wenige Besucher beklagen kann. Angesichts der heutigen Landschaft ist es kaum vorstellbar, dass hier vor Jahrmillionen alles von einem Urozean bedeckt war. Die bleichen Berge sind nichts anderes als riesenhafte versteinerte Korallenriffe, die blieben, als das Meer ging.

Heute bieten die Dolomiten einen Lebensraum für viele seltene Wildtiere und Pflanzen. Sie sind zugleich Traumkulissen für Outodoor-Begeisterte.  Majestätische Gipfel thronen über pittoresken Bergdörfern, türkise Bergseen spiegeln wilde Bergszenerien. Der Anblick saftig grüner Hochalmen, lichter Föhrenwälder und der Auren um die grotesken Gipfel ist Naturerlebnis pur. Unzählige Klettersteige, die hier via ferrata heißen und tausende Kilometer schneesicherer Pisten im Winter versprechen den Outdoor-Himmel auf Erden. Nicht von ungefähr sind Marmolata und Drei Zinnen, Rosengarten und Vajolet-Türme, Bletterbachschlucht oder Fischleintal wohlklingende Namen in den Ohren von Wanderern, Bergsteigern und Naturliebhabern. Und natürlich auch Magneten für Landschafts- und Naturfotografen aus aller Welt.

So auch für uns. Spätestens seit der Lektüre Reinhold Messners (welcher von hier stammt) war mir klar, dass ich irgendwann einmal die Dolomiten besuchen müsse. Und so badeten wir im smaragdgrünen Pragser Wildsee vor der imposanten Kulisse des Seekofels. Wir wanderten über die Seiser Alm und ließen uns im Schatten des Schlerns einen Topfenstrudel schmecken. Jagten zwischen Zinnen und Scharten Sternenspuren auf fast 3.000 Höhenmetern hinterher. Wurden vom frühen Wintereinbruch überrascht, der weiße Schneehauben auf den Rosengarten zauberte. Erlebten ein intimes Rendezvous mit den Drei Zinnen. Das Alpenglühen brachte auch unsere Kamerasensoren zum Glühen. Und wie es der Zufall wollte: wir trafen beim Spatzenfest in Kastelruth sogar auf die hier heimischen Buam der Heimatmusik.

Nur ein Treffen mit dem Murmeltier blieb uns verwehrt.  Mit dem sind wir dann für´s nächste Mal verabredet. Denn das kommt bestimmt. Wenn der Berg wieder ruft.

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