Chile: Wo die Welt zu Ende ist

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Chile: Wo die Welt zu Ende ist

Pablo Neruda, Chiles bekanntester Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger, bezeichnete seine Heimat einst als ein „Blütenblatt aus Meer und Wein und Schnee“. Eine durchaus zutreffende poetische Hommage an die unglaubliche Vielfalt seiner Heimat. Schließlich vereint das Land auf beeindruckenden 4300 km Länge eine geologische, klimatische und biologische Fülle, die ihresgleichen sucht. Und so wird in Chile auch gern ausgeführt, dass man andernorts mindestens vom Nordkap bis in die Sahelzone reisen müsste, um eine ähnliche Vielfalt zu erleben.

Tatsächlich präsentiert die Natur in Chile eindrucksvoll die gesamte Klaviatur ihres schöperischen Könnes. Von der trockensten Wüste der Welt im Norden bis hin zu den haushohen Eisbergen der Antarktis im Süden. Dazwischen verzückt ein wahres Kaleidoskop an Landschaften und Impressionen den Reisenden. Die Farbigkeit des Altiplanos an der Grenze Boliviens. Smaragdfarbene Lagunen an denen Vicunas und Lamas im Schutz der Einsamkeit ihren Durst stillen. Riesige, fauchende Geysirfelder in alpiner Höhe. Perfekt geformte Vulkankegel, von denen nicht wenige mit steten Rauchzeichen daran erinnern, dass sie noch höchst aktiv sind. Surreale Mondlandschaften wie im Valle de la Luna. Schier unendliche, mineralisch bunt gefärbte Andenketten, aus denen tosende Wasserfälle geboren werden. Und sich in leuchtenden Gletscherseen ertränken. Dampfende Thermalquellen, die zu einem entspannenden Bad im Nirgendwo einladen. Kondore, die majestetisch über den schneebedeckten Gipfeln schweben.

Gigantische Salzseen, die sich mit einem rosaroten Kleid aus abertausenden Flamingos schmücken. Eine liebliche Seen- und Vulkanlandschaft in der chilenischen Schweiz. Pumas und Hirsche die durch undurchdringliche Regenwälder streifen. Die einsame Carratera Austral, eine der letzten Abenteuerpisten der Welt. Die sich durch sattgrüne, nebelgeschwängerte Fjordlandschaften schlängelt. Mystisch anmutende Baumfriedhöfe. Das einzigartige Blau des patagonischen Himmels. Dessen eindrucksvolle Wolkenformationen und Lichtspiele auch ohne viel Fantasie Assoziationen an außerirdische Besucher wecken. Türkise, glasklare Bergseen und geheimnisvoll schmimmernde Marmorhöhlen. Das fruchtbare Valle Central, der grüne Obstkorb des Landes. Auf dessen Weinbergen die weltweit geschätzten chilenischen Tropfen prächtig gedeihen. Drollige Pinguine, lärmende Seehunde und gierige Pelikane überall an der Pazifikküste. Die immer wieder mit bizarren Felsformationen wie La Portada von sich reden macht. Und mit gewaltigen Brechern vor allem eine Freude für Wellenreiter aus aller Welt ist.

Die chilenischen Pazifikinseln verleihen dem Land weitere exotische Farbtupfer. So kommt auf der legendären Osterinsel Rapa Nui zwischen Moai-Figuren und Kraterseen echtes Südsee-Flair auf. Der Juan-Fernández-Archipel ist vor allem durch seine Robinson-Crusoe-Insel bekannt, die Daniel Defoe zu seinem Abenteurklassiker inspirierte. Zum Staatsgebiet gehören nicht zuletzt auch Territorien der Antarktis, die Chile bis heute für sich beansprucht.

Neben der grandiosen Natur verheißt aber auch die Entdeckung der kulturellen Reize weitere Höhepunkte einer jeden Chile-Reise. Ob nun die einsamen Andendörfer im Hochland mit ihren weißen Adobehäuschen. Und den indigenen Bewohnern in ihren kunterbunten Trachten und ihren Alpaca-Herden. Jahrtausende alte Wandmalereien der Tehuelche. Die lieblich-grüne Insel Chiloe mit ihren Holzschindelkirchen, den bunten Stelzenhäusern und Essen aus dem Erdofen. Die Kultur der Mapuche-Indianer, die einzigen Ureinwohner, die sich ihre reichen Traditionen gegen alle Widerstände bis heute bewahren konnten. Riesige Estancias, Farmen, deren Fläche locker mit so manchen deutschen Bundesland mithalten könnte. Bewohnt von den stolzen Huasos, den chilenischen Cowboys. Auch Chuqicamata, der größte Kupertagebau der Welt, ist durchaus einen Abstecher wert. Winzig kommt man sich vor, wenn die gewaltigen Maschinenmonster vorüberziehen und man am Abgrund des Abbaukraters gut 1000 Meter in die Tiefe schaut.

Geisterstädte, die langsam vom Sand verschlungen werden und melancholisch an die goldenen Zeiten der Pioniere und Glücksritter erinnern. Außerordentlich lebhaft sind dagegen kosmopolitische Millionen-Metropolen wie die Hauptstadt Santiago de Chile. Dessen Skyline eine spannende Symbiose aus Kolonialbauten, hypermoderner Architektur und der schneebedeckten Andenkette ist, die sich am Horizont erhebt. Typisch für Chile sind auch die unzähligen Fischmärkte, auf denen täglich geschäftiges Treiben herrscht und so manche gewöhnungsbedürftige Delikatesse lautstark feilgeboten wird.

Ein Erlebnis sind die morbid-chaotischen Hafenstädte wie Valparaiso, dessen verwinkelte Altstadt mit den knirschenden Aufzügen und den farbenfrohen Häusern heute zum Weltkulturerbe zählt. A propos Kultur: seit dem Niedergang des Pinochet-Regimes Ende der 90er Jahre können Boheme-Freunde heute auch wieder den Spuren der chilenischen Kunstgranden folgen. Das kulturelle Erbe von Pablo Neruda, Gabriela Mistral, Isabell Allende oder auch Victora Jarra und Violeta Parra wird heute mit Hingabe gepflegt.

Das lange Land mit der eigenwilligen Form magnetisiert Weltenbummler wie eh und je. Namen wie Feuerland oder Torres del Paine kitzeln auch heute noch die Sehnsüchte von Abenteuern aus aller Welt. In der Sprache der Aymara bedeutet Chile „Land wo die Welt zu Ende ist“. Und tatsächlich, bisweilen fällt es nicht schwer zu glauben, man befände sich genau dort. Und so trifft sich die Globetrottergemeinde mit ungebrochener Begeisterung vor den blauschimmernden und mit lautem Getöse kalbenden Gletschern Patagoniens. Und zelebriert bei einem Pisco Sour mit echtem Gletschereis euphorisch die Schönheit des Landes. Salute y viva la Chile!

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