Lissabon: Zwischen Fado und Tejo

BLOG!

Lissabon: Zwischen Fado und Tejo

Die Hauptstadt Portugals blickt auf eine lange Geschichte zurück. Es gilt als sicher, dass bereits die Phönizier um 1200 v. Chr. den Naturhafen am Atlantik nutzten. Alis Ubbo nannten sie ihre Siedlung, was soviel wie „bezaubernder Hafen“ bedeutete. Daraus wurde später Lisboa, die Bezeichnung unter der die Hauptstadt bis heute in der portugiesischen Landessprache bekannt ist. Lissabon wird dem historischen Namen wie eh und je gerecht. Die Stadt liegt ebenso malerisch wie strategisch günstig in einer Bucht, an welcher der Rio Tejo in den Atlantik mündet.

Der Fluss bildet in und um Lissabon ein tiefes Binnenmeer und verleiht der Metropole das unverwechselbare maritime Flair. Von den Ufern des Tejo beginnend steigt die Stadt zu beiden Seiten stufenförmig empor und breitet sich dabei weiträumig auf sieben Hügeln aus. Die exponierte Lage bedeutete Fluch und Segen zugleich. Sie führte über die Jahrtausende zu immer neuen Machtkämpfen und Herrschern: Römer, Westgoten, Mauren und andere hinterließen ihre Spuren. Im 12. Jahrhundert wurde Lissabon von den Christen zurückerobert und 1256 zur Hauptstadt Portugals gekrönt. Die Lage am Atlantik war es dann auch, die Lissabon schließlich in den Rang einer Weltstadt erhob.

Mit dem Beginn der Entdeckungsfahrten portugiesischer Seefahrer im 15. Jahrhundert gewann Lissabon schnell an Bedeutung. Die Hafenstadt war Ausgangspunkt der Entdeckungsreisen unter Heinrich dem Entdecker, Vasco da Gamma, Bartolomeo Diaz, Ferdinand Magellan und anderen Pionieren jener Epoche. Lissabon wurde zum wichtigsten Handelszentrum und größten Hafen der Welt. Dies brachte unermesslichen Reichtum in die Metropole. Der Wohlstand des Goldenen Zeitalters spiegelte sich vor allem in der manuelinischen Architektur wieder. Dieser Stil ist nach König Manuel I. benannt, welcher zu dieser Zeit das Land regierte. Charakteristisch sind dekorative Elemente aus Gotik und Renaissance, die Motive aus Nautik und Religion verbinden. Typisch ist auch der verschwenderische Einsatz des von den Reisen mitgebrachten Goldes.

Die glanzvolle Ära prägt das Stadtbild bis heute. Architektonische Zeugnisse finden sich besonders im gut erhaltenen Viertel Belém direkt am Fluss. Der hier befindliche Torre de Belém sowie das Mosteiro dos Jeronimós (Hieronymos-Kloster) sind die Aushängeschilder manuelinischer Baukunst und gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Aber auch die anderen Stadtviertel wissen von der bewegten Vergangenheit zu erzählen.

Zu diesen Geschichte gehört auch, dass Lissabon mehrfach von verheerenden Naturkatastrophen wie Erdbeben, Tsunamis und Feuerbrunsten heimgesucht wurden. Diese haben das Aussehen der Stadt immer wieder verändert und geprägt. So ist die Baixa (Unterstadt) nach dem verheerenden Erdbeben 1755 komplett zerstört und dann wieder neu aufgebaut worden. Stilgebend war der damals moderne neoklassizistische Stil. Breite Straßen wurden nach einem quadratischen Muster angeordnet und durch großzügige, helle Plätze (Praco) verbunden. Weltbekannt sind der Rossio oder der Praco do Commercio. Repräsentative Prunkbauten und Arkaden wurden errichtet. In diesen residieren heute neben den traditionellen Handwerkerläden vor allem internationale Modeketten. Die Hauptschlagader der Baixa ist die Rua Augusta, die teuerste Einkaufsstraße Portugals und Lissabons Antwort auf Champs-Élysées und Kudamm.

Mit dem Elevador da Santa Justa, einem Aufzug gebaut von einem Schüler Eiffels, kommt man in die Oberstadt (Bairro Alto). Das Bairro Alto ist heute ein trendiges Viertel, dass vor allem Künstler und Intellektuelle anzieht. Hinter den hohen historischen Holztüren verstecken sich Teestuben, Boutiquen, Plattenläden und Designer-Shops. Es ist dank seiner toleranten, multikulturellen Attitüde und den vielen Bars und Clubs das Party- und Ausgehviertel Lissabons schlechthin.

Zwischen Baixa und Bairro Alto liegt das Chiado, ebenfalls ein Magnet für die Bohème, jedoch mit ausgesprochen vornehmen Ambiente. Neben Galerien, Kunstschulen und Theatern gibt es hier viele Cafés, darunter das legendäre “A Brasileira”. Früher Treffpunkt von Literaten wie Fernando Pessoa, dem großen portugiesischen Poeten, wird es heute eher von Touristen besucht. Es gibt wohl keinen stilechteren Ort, eine Pastel de Nata, die süße Lissaboner Spezialität zu naschen. Dazu wird einen heißer Galão zwischen historischen Spiegeln und Gemälden geschlürft.

Die Alfama ist das älteste Stadtviertel und versprüht den Charme von vorgestern. Charakteristisch sind die engen, schattigen Gassen. Steile, verworrene Labyrinthe aus Kopfsteinpflaster. Von den gusseisernen Balkonen flattert die Wäsche im Wind. Das einzige Geräusch, dass die beschauliche Ruhe stört. Die Häuser sind in weißen und pastellenen Tönen getüncht. Manchmal nur noch unter dem bröckelndem Putz zu erahnen. Mauern sind kunstvoll mit Azulejos, blauweiß oder bunt bemalten Fliesen geschmückt. Ein Zeugnis aus maurischen Tagen. In diesem Viertel kann man sich treiben lassen, den alten Geist Lissabons einatmen und dabei die Zeit vergessen. Sie scheint hier ohnehin stehengeblieben zu sein.

Ein anderes Relikt der arabischen Vergangenheit ist das Castelo de Sao Jorge, welches im Viertel Graça hoch über der Alfama thront. Am besten fährt man mit der gelben Eléctrico No. 28 hinauf. Die historische, teils über 100 Jahre alte Tram ist ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. Meist ist sie völlig überfüllt. Die Einheimischen fahren auch schon mal auf der Außentreppe mit. Aber es lohnt. Oben angekommen, sind grandiose Aussichten garantiert.

Spektakuläre Ausblicke sind ohnehin ein Markenzeichen des hügeligen Lissabons. Deren gibt es auch unzählige in Form der sogenannten Miradouros, idyllische Aussichtspunkte überall in der Stadt. In luftiger Höhe erschließt sich hier am besten die architektonische Schönheit der Metropole. Das historische weiß-rote Häusermeer, die gekachelten Plätze mit ihren hohen Säulen und unzählige blendend weiße Kirchen, Klöster und Kathedralen. Beeindruckend ist auch der Anblick des Tejos. Aus der Vogelperspektive erinnert dieser eher an ein Meer, als an einen Fluss.

So sind denn auch die Brücken, welche über ihn führen, wahrlich kolossale Bauwerke. Die Ponte 25 de Abril erinnert in Farbe und Form stark die Golden Gate Bridge in San Francisco. Die futuristische Ponte Vasco da Gama ist mit über 17 km die längste Brücke Europas und verbindet über die Lagunenlandschaften des Tejos das historische mit dem östlichen Stadtgebiet Oriente.

Dort zeigt sich vor allem das moderne Gesicht Lissabons. Der Stadtteil wurde anlässlich der Weltausstellung 1998 völlig neu geschaffen. Die EXPO hatte – wie sollte es anders sein – das Meer und die Seefahrt zum Thema. Davon zeugt heute noch das zweitgrößte Ozeanarium der Welt. Mit den gläsernen Fassaden, der zukunftsweisenden Architektur, den Einkaufstempeln und der kilometerlangen Promenade am Tejo bildet das Viertel einen zeitgemäßen Kontrast zum historischen Kern der Stadt.

Im Jahr 1994 trug Lissabon nicht von ungefähr den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt. Und so wird es auch am Abend nicht langweilig, im Gegenteil, manche Viertel wie das Bairro Alto erwachen dann erst so richtig zum Leben.

Auf gar keinen Fall sollte man versäumen, einmal den melancholischen Klängen des Fado zu lauschen. Jenem wehmütigen Gesang, der unzertrennlich mit der Stadt verbunden ist. In den vielen traditionellen Fado-Lokalen (Tascas) lässt sich der historische Klang der Stadt am authentischsten erleben. Wer es etwas fröhlicher mag, kann sich in den vielen Kneipen und Clubs des Bairo Alto, an den Docas am Yachthafen oder der Straße des 14. Juli bis in die frühen Morgenstunden vergnügen. Vielleicht schaut man sich aber auch ein Fußballspiel an. Schließlich sind mit Benfica Lissabon, Sporting Lissabon und Belenenses Lissabon gleich drei Clubs von Weltklasse in der Hauptstadt.

Heute erreicht Lissabon bei Weitem nicht mehr die Bedeutung des Goldenen Zeitalters. Doch noch immer ist sie als südwestlichste Hauptstadt Europas der kontinentale Vorposten im Atlantik zu Afrika und Nordamerika. Mit ihren knapp 500.000 Einwohnern im Innenstadtgebiet gehört Lissabon heute auch zu den eher kleineren europäischen Hauptstädten.

Dafür kann sie für sich in Anspruch nehmen, die sonnigste Kapitale des Kontinents zu sein. Lissabon ist bekannt für schönes Wetter und angenehme Temperaturen. Wenn andere Metropolen des Kontinents im Winter in Schnee und Eis versinken, fällt in der portugiesischen Kapitale auch dann das Thermometer selten unter 10 Grad Celsius. In den Sommermonaten ist es ausgesprochen sonnig. Eine ständige Brise vom Atlantik sorgt in Lissabon dann aber meist für angenehme Frische.

Ideale Bedingungen, auch das reizvolle Umland Lissabons zu erkunden. Die schöne Atlantikküste mit den weiten Sandstränden, den verschlafenen Fischerdörfern und mondänen Seebädern wie Estoril oder Cascais. Die religiösen Pilgerstätten von Fatima und Leiria. Oder die eigentümlichen Schlösser, Türme und Burgen von Sintra.

Ähnliche Beiträge

Kommentare

Ihr Kommentar

Pflichtfeld

Pflichtfeld