Sachsen-Anhalt: Die kulturelle Wiege Deutschlands

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Sachsen-Anhalt: Die kulturelle Wiege Deutschlands

Frühling an der Teufelsmauer, Harz, Sachsen-Anhalt

„Willkommen im Land der Frühaufsteher!“ begrüßt  Sachsen-Anhalt seine Besucher in großen Lettern an den Landesgrenzen. Dies ist zunächst als augenzwinkernder Werbeslogan gemeint und spielt auf das empirisch angeblich auffällige Ruheverhalten seiner Bewohner an. Die Worte enthalten aber auch einen Funken bedeutungstieferer Wahrheit. Schließlich ist das Bundesland in der Mitte Deutschlands eine bedeutende Wiege deutscher Kultur- und Wissenschaftstradition.

Sachsen-Anhalt ist eine Kernregion der frühen Menschheitsgeschichte. Das älteste Zeugnis hier gefundene Zeugnis menschlicher Hochkultur ist das fast 7.000 (!) Jahre alte Sonnenobservatorium von Goseck. Die in der Jungsteinzeit errichtete Anlage ist die älteste dieser Art weltweit. Das freilich wesentlich bekanntere Stonehenge im Süden Englands wurde erst mehr als 2.000 Jahre später gebaut. Erst vor wenigen Jahren hat eine weitere archäologische Sensation das beeindruckende historische Erbe des Bundeslandes wieder untermauert. Die 3.600 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra ist die weltweit älteste von Menschen geschaffene Darstellung des Kosmos und heute im Museum für Landes- und Vorgeschichte in Halle zu bewundern.

Auch einige Jahrtausende später machte die Region immer wieder von sich reden. Ob Reformation oder Pietismus – so manche geistige und religiöse Strömungen nahm hier ihren Anfang. Und so ist das Bundesland heute gesäumt von den Fußstapfen vieler großer Persönlichkeiten deutscher Geschichte. Politische Granden wie Katharina die Große, Otto der I., Fürst Bismarck oder Hans Dietrich Genscher. Künstler wie Lucas Cranach, Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel. Visionäre Denker und mutige Pioniere wie Martin Luther, Friedrich Nietzsche, Phillip Melanchton, Otto von Guericke oder August Hermann Francke.

Welchen Landstrich des Bundeslands der Besucher auch bereist, die Geschichte folgt auf Schritt und Tritt. Neben dem reichen kulturellen Erbe haben die sachsen-anhaltinischen Regionen aber auch reizvolle und naturbelassene Landschaften zu bieten.

So lockt der Harz mit ausgedehnten Moor-und Heidlandschaften, tiefen dunklen Wäldern und einer teils dramatischen Berglandschaft. Natürlich ist auch der höchste Mittelgebirsgipfel des Landes, der Brocken, hier zu Hause. Um den Blockberg – wie er im Volksmund auch heißt – ranken sich zahlreiche Sagen und Legenden. Nicht zuletzt hat ihm Goethe mit seinem Dr. Faustus ein literarisches Denkmal gesetzt.  Sagenumwoben ist auch die Teufelsmauer, eine bizarre Gesteinsformation (siehe Artikelbild), die sich über gut 35 km von Ballenstedt im Harzvorland bis Blankenburg erstreckt. Nicht zuletzt die idyllischen, sehr gut erhaltenen Fachwerkstädte wie Wernigerode oder Quedlinburg tragen zum Charme dieser Region bei.

Die Altmark ist wiederum geprägt durch ihre Lage an der Elbe und gehört mit ihren verschlafenen Dörfern und mittelalterlichen Städten wie der früheren Kaiserresidenz Tangermünde oder alten Hansestädten wie Salzwedel oder Stendal zu den ältesten Kulturlandschaften Deutschlands. Typisch für das oft einsame Flachland sind vor allem die nirgendwo häufiger zu findenden romanischen Back- und Feldsteinkirchen.

Südlich schließt sich die Region Elbe-Börde-Heide an. Mit ihren Elbauen und den fruchtbaren Böden ist sie die Kornkammer des Landes und umschließt Magdeburg, die Hauptstadt des Bundeslandes. Naturräume wie die Colditz-Letzlinger Heide oder der Drömling bedecken weite Teile dieser waldarmen Region.

Auch Anhalt-Wittenberg wartet mit vielseitiger Landschaft, etwa den Naturparken Dübener Heide und dem Fläming auf. Der prachtvolle Dessau-Wörlitzer Gartenreich oder das Biosphärenreservat „Mittlere Elbe“ sind weitere Attraktionen. Zugleich ist hier die Wiege der Reformationsbewegung zu finden. Auch die weltweit verehrte Kunstschule des Walter Gropius, das Bauhauses hat hier, in Dessau-Roßlau, seine Wurzeln.

Im Süden des Landes schlängeln sich Saale und Unstrut durch weite, liebliche Flusstäler. Hier ist auch das nördlichste Weinanbaugebiet der Republik zu Hause. Die charaktervollen Tropfen begeistern mit ihrer unverwechselbaren fruchtig-frischen Note. Mittelpunkt der regionalen Winzerkunst ist Freyburg, wo sich auch die bekannte Rotkäppchen-Sektkellerei befindet. Typisch für diesen Landstrich sind auch die vielen Schlösser, Burgen und Klöster aus verschiedensten Epochen deutscher Baukunst. In östlicher Richtung befindet sich schließlich Halle an der Saale, Sachsen-Anhalts größte Stadt und zugleich das kulturelle Zentrum des Landes.

A propos Kultur: In keinem anderen deutschen Bundesland gibt eine höhere Dichte von UNESCO-Weltkulturerbestätten als in Sachsen-Anhalt. Nur einer von vielen Gründen, uns – denn auch der Autor ist Sachsen-Anhaltiner – bald einmal zu besuchen.

Bilder aus Sachsen-Anhalt und Deutschland..

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