Seychellen - Reiseinformationen
Geografie und Lage
Die
Seychellen sind eine Inselgruppe im Indischen Ozean, gehören
geografisch zu Afrika und liegen nur wenige (zwischen 4 und 10°)
Breitengrade südlich des Äquators. Das äußere Ende
des Archipels ist gut 1.600 km Luftlinie vom westafrikanischen Festland
(Kenia) entfernt.
Die Landfläche umfässt 455
km². Zu den Seychellen gehören 115 Inseln, wovon lediglich 36
überhaupt bewohnt sind. Zum Archipel gehören zunächst
die 43 Inseln der Inneren Seychellen (auch: Seychelles Bank). Unter
ihnen die größten und bevölkerungsreichsten Inseln
Mahé, Praslin und La Digue sowie eine Vielzahl unbekannterer
Eilande wie Silhouette, Fregate, North Island, Denis Island. Zu
den abgelegenen äußeren Seychellen (Outer Seychelles)
zählen die fünf Inselgruppen Amiranten, Farquar, Aldabra,
Alphonse, Cosmoledo sowie einige weitere Einzelinseln wie Platte
oder Coetivy. Insgesamt ergibt sich damit ein riesiges Hoheitsgebiet
von über 400.000(!) km² Meeresfläche. Die inneren
Inseln sind zumeist bergig und 41 von ihnen aus Granit bestehend.
Sie sind die ältestesten ozeanischen Granitinseln der Welt und
enstanden, als der Urkontinent Gondwana sich vor ca. 150 Millionen
spaltete. Der Großteil der Eilande, ca. 100 Inseln ist jedoch
deutlich jünger, korallinen Ursprungs und entsprechend flach.
Diese Inseln werden als Atolle oder Riffinseln bezeichnet.
Quelle: Google Maps. Für Vergrößerung bitte auf die Karte klicken.
Beste Reisezeit, Regenzeit, Klima, Wetter
Die
Seychellen sind ein Ganzjahresreiseziel, es gibt keine wirkliche
beste Reisezeit und auch keine klassische Regenzeit wie bei vielen anderen Fernreise-Destinationen. Es herrscht
tropisches Klima vor, die Temperaturen sind unabhängig von der
Jahreszeit jederzeit hochsommerlich warm. Das Thermometer zeigt in der
Regel tagsüber zwischen 27 und 32°C und fällt auch nachts
selten unter 24°C. Extreme Ausschläge nach unten oder oben
gibt es nicht. Extrem ist allerdings die Luftfeuchtigkeit: es herrscht
eine stets recht hohe Luftfeuchtigkeit um ca. 80% vor.
Es
gibt auf Grund der Äquatornähe keine (mit Europa
vergleichbaren) starken jahreszeitlichen Schwankungen. In den Monaten
November bis Februar fällt statistisch mehr Niederschlag. Dies
äußert sich aber weniger in häufigeren
Regenfällen, sondern eher in der dann fallenden
Niederschlagsmenge. Dennoch: tagelang anhaltende, Regenphasen sind
aller etwaiger Behauptungen zum Trotz durchaus möglich. Dafür
ist dies aber recht selten und kommt nur ungefähr 3- bis 4-mal im
Jahr vor.
Das meteorologische Jahr lässt sich am besten nach der vorherrschenden Windrichtung einteilen:
Juni - September
Südostpassat, Wind weht meist gleichmäßig lau bis auffrischend aus Süd bis Ost, dadurch ist die Wärme besser zu ertragen, gleichzeitig aber auch das Wasser unruhiger
Dezember - Februar
Nordwestpassat,
schwacher Wind aus Nord bis West, lange Sonnenperioden, die teilweise
durch kurze aber heftige Tropengewitter durchbrochen werden
März, April, Mai, Oktober, November
Weitestgehend
Windstille, dadurch sehr ruhiges Meer und klares Wasser, aber auch
recht drückend, wem hohe Luftfeuchtigkeit und Hitze zu schaffen
machen, der sollte diese Monate eher meiden
Unten sehen Sie die Klimastatistik des Seychellischen Wetterdienstes.
Grundsätzlich gilt aber auch auf den Seychellen: nichts ist so
unvorhersehbar wie das Wetter und Ausnahmen bestätigen die
Regel.
| Klimatabelle |
Jan |
Feb |
Mar |
Apr |
Mai |
Jun |
Jul |
Aug |
Sep |
Okt |
Nov |
Dez |
Durchschnittl. Niederschlag
in mm |
402 |
283 |
194 |
187 |
152 |
105 |
77 |
120 |
154 |
190 |
206 |
303 |
Durchnittl. Temperatur in ° C |
27 |
27 |
28 |
28 |
28 |
26 |
26 |
26 |
27 |
27 |
27 |
27 |
Durchschnittl. Luftfeuchtigkeit in % |
82 |
80 |
80 |
80 |
79 |
79 |
80 |
80 |
79 |
79 |
80 |
82 |
Vorherrschende
Windrichtung |
NW |
NW |
NW |
SW
NW |
SO |
SO |
SO |
SO |
SO |
SO |
SW
NW |
NW |
Windgeschwindigkeit
in Knoten |
6.3 |
6.3 |
5.2 |
4.9 |
7.8 |
10.4 |
11.4 |
12.1 |
11.3 |
7.9 |
5.4 |
5.4 |
Die
Seychellen bleiben in der Regel von
schlimmeren Wetterkapriolen wie Tsunamis und Wirbelstürmen
verschont. Dies ist ihrer Lage ausserhalb des
Zyklonengürtels zu verdanken. Selbst als 2004 zahlreiche Inseln im
Indischen Ozean (z. B. die Malediven) durch den gewaltigen Tsunami
verheerend getroffen wurden, sind auf den Seychellen
glücklicherweise "nur" dessen Ausläufer angekommen.
Aktueller Wetterbericht
Unten sehen Sie den aktuellen Wetterbericht für die Seychellen. Mit einem Klick auf die Grafik können Sie sich auch eine detaillierte 7-Tages-Prognose abrufen.
Zeitzone, Zeitverschiebung, Sonnenaufgang, Sonnenuntergang
Die
Seychellen sind der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) 3 Stunden
bzw. in der Sommerzeit nur 2 Stunden voraus. Jetlag ist auf
Grund der geringen Zeitverschiebung nach der Anreise kein Thema.
Typisch
für diese Breitengrade ist die nahezu unveränderte
Sonnenauf- und -untergangszeit. Das ganze Jahr über geht
die Sonne zwischen 6.00 und 6.30 Uhr auf und nach einer äußerst kurzen,
ungefähr halbstündigen Dämmerung zwischen 18.00 und 18.30 Uhr Uhr wieder unter. Für
die Einheimischen aber auch den Seychellen-Urlauber hat diese
Kontinuität oft eine geradezu beruhigende Wirkung.
Flugdauer und Anreise
Die
Anreise erfolgt für gewöhnlich per Flugzeug und nimmt von
Deutschland aus je nach Airline ungefähr 10 bis 11 Stunden
Flugdauer in Anspruch. Es gibt mehrere Fluggesellschaften, die den
internationalen Flughafen auf Mahé mehrmals wöchentlich anfliegen.
Zunächst hat man die Möglichkeit, mit der landeseigenen
Fluggesellschaft Air Seychelles zu fliegen, was bereits bei der Anreise
für den richtigen Seychellen-Spirit sorgt, aber nicht unbedingt
die günstigste Option ist. Weiterhin haben Condor, Air France,
Emirates und Quatar die Seychellen im Flugplan. Von Deutschland aus
kann man ab Frankfurt oder München fliegen.
Einreisebestimmungen und Zoll
Ein
Visum wird nicht benötigt, allerdings muss ein noch mindestens
noch 6 Monate gültiger Reisepass vorgelegt werden. Es wird dann
bei Einreise eine Aufenthaltsgenehmigung für einen Monat erteilt,
die bis auf ein Jahr ausgedehnt werden kann (bei Immigration Office in
Victoria).
Es ist keine Impfung bei Einreise
vorgeschrieben, es sei denn man reist aus einem deklarierten
Gelbfieber- oder Cholera-Infektionsgebiet ein. Dies trifft auf eine
Reihe afriakanischer und asiatischer Staaten zu. Welche Länder
aktuell betroffen sind, kann beim Auswärtigen Amt oder bei
Gesundheitsämtern erfragt werden.
Die
Einreisebestimmungen sehen theoretisch auch vor, dass ein
Rückflugticket, eine mindestens dreitägige gebuchte
Hotelübernachtung und ausreichend Geldmittel für den
Aufenthalt vorgezeigt bzw. nachgewiesen werden müssen. In der
Praxis wird dies aber wohl eher selten kontrolliert. Zum Nachweis der
Geldmittel genügt im Zweifelsfall das Vorlegen einer gültigen
Kreditkarte. Überhaupt werden die Einreisebestimmungen
entsprechend der vorherrschenden Mentalität recht locker und
entspannt abgewickelt.
Tiere dürfen nur mit
Sondergenehmigung des Landwirtschaftsministerium eingeführt
werden. Die Einfuhr von Waffen jeglicher Art ist verboten. Es gelten
ansonsten die üblichen internationalen Sicherheits- bestimmungen
für den Flugverkehr.
Währung
Landeswährung
ist die Seychellen-Rupie (100 Seychellen-Rupien = 100 Cents), welche
seit 2008 frei konvertierbar ist, also uneingeschränkt in andere
Währungen umgetauscht werden kann.
Eine
Seychellen-Rupie entspricht ungefähr 0,06 Euro-Cent (Stand:
07/2010). Tagesaktuelle Wechselkursinformationen können beim
Deutschen Bankenverband abgerufen werden.
Sprache
Die
offiziellen Amtssprachen sind Englisch, Französisch sowie Seselwa,
das Seychellische Kreolisch. Das üblicherweise gesprochene Kreol
ist die Muttersprache aller Seychellois und ist eine historisch
gewachsene Mischung aus afrikanischen Sprachen wie dem Suaheli und dem
Madagassisch sowie den Sprachen der ehemaligen Kolonialherren
Französich und Englisch.
Hauptstadt der Seychellen
Die
Hauptstadt der Seychellen ist Victoria und befindet sich auf der
Hauptinsel Mahé. Es ist die kleinste Hauptstadt eines
international anerkannten Staates. Mit 30.000 Einwohnern
konzentriert sich immerhin fast die Hälfte der seychellischen
Bevölkerung in der unspektkulären, aber doch charmanten
Kapitole.
Geschichte
Die Seychellen sind eine
vergleichsweise junge Nation und blicken auf eine überschaubare
Geschichte zurück. Historische Quellen lassen vermuten, das
arabische Handelsschiffe die Inseln im 7. Jahrhundert erstmalig
sichteten. Später entdeckten auch die portugiesische Seefahrer
(Vasco da Gama) den Archipel und zeichneten Sie erstmalig in Seekarten
ein. Beide hatten jedoch, wohl wegen der Abgeschiedenheit, kein
Interesse an einer Besiedelung.
Zu dieser kam es dann erst
im 18. Jahrhundert, als 1770 französische Kolonialisten die bis
dahin unbevölkerten Inseln in Besitz nahmen. Wie zu dieser Zeit
üblich, wurden zur Erschließung und Bewirtschaftung des
Landes Sklaven eingesetzt. Diese waren zumeist afrikanischer und
madagassischer Herkunft.
Als Sieger eines kriegerischen
Konflikts zwischen dem von Napoleon regierten Frankreich und dem
Vereinigten Königreich übernahmen die Engländer die
Inseln im 19. Jahrhundert. Ab 1803 wurde den Seychellen der
Status einer eigenständigen Kolonie übertragen und 1812 die
Sklaverei abgeschafft. Ab dieser Zeit entstand eine kreolische
Mischbevölkerung.
Ab 1970 wurde der Kolonie eine
Selbstverwaltung zugestanden. Es bildeten sich in der Folge zwei
Parteien (Seychelles Democratic Party/SDP, Seychelles Peoples United
Party/SPUP), die sich gegenüber der Kolonialmacht für eine
Unabhängigkeit einsetzen. Am 29. Juni 1976 konnten die Seychellen
schließlich die Unabhängigkeit von Großbritannien
erreichen und eine eigenständigen Nation bilden.
Die Regierung wurde zunächst von beiden Parteien gestellt mit James
Mancham (SDP) als Staatspräsident und Albert René (SPUP)
als Premierminister Bereits 1977 wurde die Koalition durch die SPUP
gebrochen und ein unblutiger Staatstreich ausgerufen, wobei Mancham
abgesetzt wurde und ins Exil flüchtete. In den nächsten
Jahren baute der nun allein regierende René sukzessive eine
Dikatur nach Vorbild der sozialisitischen Ostblock-Staaten auf. Die
Presse wurde gleichgeschaltet und die Wirtschaft unter staatliche
Kontrolle gestellt. Im Vergleich zu anderen sozialistischen Staaten
wurde jedoch ein recht moderater Sozialismus betrieben und deutlich die
Interessen der Bevölkerung in den Mittelpunkt gestellt. Unter
anderem wurde ein vorbildliches Bildungs-, Gesundheits- und
Sozialsystem eingerichtet, was in Afrika seinesgleichen sucht. Nach dem
Zusammenbruch der sozialistischen Systeme im Ostblock öffnet sich
auch René für Reformen. In einem Referendum lässt er
1992 die Seychellois über die zukünftige Form der Regierung
abstimmen. Trotz teils heftiger Proteste im Land, entscheidet sich die
Mehrheit der Bevölkerung schließlich zu einem
Paradigmenwechsel: die Einführung einer Demokratie nach
westlichem Vorbild . Die Verfassung wird 1993 angepasst und René
als Präsident wiedergewählt.
Politik und Staatsform
Die
offizielle Staatsbezeichnung lautet auf Republic of Seychelles
(englisch), République des Seychelles (französisch) bzw.
Repiblik Sesel (Seselwa).
Die Seychellen sind seit ihrer
Unabhängigkeit von Großbritannien 1976 eine
präsidentielle Republik. Das bedeutet, der Präsident ist
zugleich auch das Staatsoberhaupt/Regierungschef. Dieses Amt hat
seit 2004 James Alix Miche inne, welcher den seit 1977 allein
regierenden Albert René ablöste. Der Präsident wird
alle 5 Jahre gewählt. Das Kabinett wird durch 11 Minister gestellt.
Das
Parlament der Seychellen (National Assembly) wird unabhängig vom
Präsidenten alle 5 Jahre gewählt und wird durch 34
Abgeordnete gestellt. Die Seychellen werden politisch in 25
Regierungsbezirke unterteilt.
Seit 1993 haben die Seychellen
nach einer langen Phase der Einparteiendiktatur nach sozialistischem
Vorbild wieder ein demokratisches Mehrparteiensystem. Die wichtigsten
Parteien sind die Seychelles National Party (SNP), die Democratic Party
(DP) und die Seychelles Peoples Progressive Front (SPPF), welcher
auch der derzeitige Präsident Miche angehört .
Die
Seychellen gehören den Vereinten Nationen (UNO), dem Commonwealth
sowie der unbekannteren Internationalen Organisation der Frankophonie
(OIF) an. Letzere beide Mitgliedschaften sind ein Resultat der
ehemaligen englischen und französischen Kolonisierung.
Staatsflagge, Wappen und Hymne der Seychellen
Die
Staatsflagge der Seychellen wurde 1996 eingeführt. Sie zeigt die
fünf Farben Blau, Gelb, Rot, Weiß und Grün, welche
strahlenförmig von der linken unteren Ecke der Flagge ausgehen.
Sie symbolisieren eine aufstrebende und fortschrittliche Nation. Das
Blau versinnbildlicht den Himmel und das Meer, Gelb steht für die
reichlich vorhandene Sonne und das Licht, Rot steht für das Blut,
den Schweiß und die Tränen des Volkes, Weiß ist die
Methaper für Recht, Gerechtigkeit und Harmonie, Grün steht
für die Landwirtschaft und die Vegetation.
Das
Staatswappen der Seychellen wurde zur Unabhängigkeit des Landes im
Jahr 1976 eingeführt. Es geht auf das der damaligen Kolonie vom
britischen König Eduard VII. verliehene Wappen zurück
und zeigt darauf eine Landschaftsszene mit einer Palme und einer
einheimischen Riesenschildkröte. Im Hintergrund sind eine Insel
und ein Segelschiff abgebildet. Darüber ein Helm mit
weiß-blau-roten Bändern und dem auf den Seychellen
heimischen Tropikvogel. Das Wappen halten zwei Fächerfische. Unten
steht der lateinische Ausspruch "Finis Coronat Opus", was zu deutsch
"Das Ende krönt das Werk" bedeutet.
Die Nationalhymne der Seychellen
heißt "Koste Seselwa" und fordert die Seychellois auf, die
Schönheit und den natürlichen Reichtum des Landes zu
bewahren, als Volk zusammenzuhalten und gemeinsam in Frieden, Liebe und
Harmonie zu leben.
Bevölkerung, Demografie, Religion
Einwohnerzahl: 87.500 (Stand: 2009), Bevölkerungsdichte: 192 Einwohner pro km² Landläche
Die
Seychellen sind auf Grund ihrer Historie ein Schmelztiegel
verschiedener Kulturen und Rassen, die heute alle friedlich miteinander
zusammen leben. Den größten Anteil an der Bevölkerung
stellen mit gut 90% die dunkelhäutigen Kreolen. Sie sind die
Nachfahren der zu Zeiten der französischen Kolonisation
verschleppten afrikanischen Sklaven und der europäischen Siedler.
Die Bevölkerungsminderheit wird heute durch ca. 5% Inder, 3%
Madagassen, 2% Chinesen sowie je 1% Malaien und Europäer gestellt.
Auf
Grund der multiethnischen Herkunft der Seychellois weißt die
Bevölkerung alle nur denkbaren Hautnuancen von schwarz bis
weiß auf. Anders als in anderen Ländern bestimmt aber die
Hautfarbe nicht die soziale Schicht, Diskriminierung ist weitgehend
unbekannt. Schwarze bekleiden durchaus hohe Ämter in Politik und
Wirtschaft, genauso wie es Weiße gibt, die in sehr ärmlichen
Verhältnissen leben.
Entsprechend der
Bevölkerungsstruktur sind 90% der Seychellois katholisch, weitere
8% protestantisch. Andere Religionen sind der Hinduismus und
Buddhismus. Und so wundert es auch nicht weiter, wenn man mitten
in Victoria auf einmal vor einem farbenprächtigen Hindu-Tempel
steht.
Bedingt durch die afrikanischen Wurzeln der Einwohner
spielen neben der offiziellen Religion auch heute noch Aberglauben und
archaische Kulte eine gewichtige Rolle. Insbesondere sind starke
Bezüge zum Voodoo Ostafrikas zu finden. Vielerorts finden sich
Zauberer, sogenannte Bonhommes du Bois (Waldmänner) oder auch
Tontons genannt. Diese werden von vielen Seychellois
regelmäßig vor wichtigen Entscheidungen, bei Krankheit oder
sonstigen privaten Problemen konsultiert. Auch die Verwendung von
Fetischen, Talismanen und sonstigen Paraphernalia ist, so hört man
zumindest, durchaus weit verbreitet.
Wirtschaft und Bruttinlandsprodukt (BIP)
Das
BIP der Seychellen betrug 2008 nach Auskunft des Internationalen
Währungsfonds 834 Mio. US-$ nominal. Die Seychellen belegen damit
in puncto Wirtschaftskraft einen der unteren Plätze (166) im
internationalen Vergleich. Betrachtet man das BIP je Einwohner
relativiert sich jedoch dieser Rang. Mit ungefähr 9.530 US-$ BIP
pro Einwohner übersschreiten die Seychellen signifikant den
afrikanischen Durchschnitt, der bei ca. 1.400 US-$ je Kopf liegt.
International rangieren die Seychellen damit auf dem 57. Platz und
damit sogar vor einigen osteuropäischen Staaten. Der mit Abstand
wichtigste Wirtschaftszweig ist , sicherlich nicht sehr verwunderlich,
der Tourismus, der gut 70% des BIP erwirtschaftet. Auserdem
spielen Fischerei und Landwirtschaft, insbesondere die
Kopra-Produktion eine Rolle.
Natur, Pflanzen, Tiere
Die Seychellen sind zweifelsohne ein einziges Paradies für Naturliebhaber. Bedingt
durch die abgeschiedene Lage im Indischen Ozean, isoliert von allen
Kontinenenten, hat sich auf den Seychellen eine unverwechselbare
einheimische Pflanzen- und Tierwelt entwickelt. Für den
botanischen und zoologischen Laien ist es angesichts des
allgegenwärtigen Grüns und der vielen Tiere auf den Inseln
kaum erkennbar, aber: auf Grund des äußerst geringen
biologischen Austauschs herrscht auf den Seychellen eine recht
eingeschränkte Artenvielfalt vor. Die wenigen existierenden
Spezies gehören dafür aber zu den seltensten Arten der Erde
und sind oftmals nur auf den Seychellen zu Hause. Die Dichte an
endemischer Flora und Fauna ist gemessen an der geringen
Landfläche jedenfalls weltweit unübertroffen. Über eine
Viertel der Landmasse ist mit dichtem, urzeitlich anmutendem Regenwald
bedeckt.
Die bekannteste endemische Pflanze dürfte die
legendäre Coco-de-Mer-Palme sein, die vor allem auf Praslin
vorkommt. Sie ist mit der Kokospalme entfernt verwandt, aber wesentlich
größer als diese. Einen guten Eindruck der gigantischen
Größe vermittelt das dritte Bild in der Galerie, auf welchem
eine Frau direkt unter einem Exemplar steht. Die Blätter sind
übrigens die größten, die das irdische Pflanzenreich zu
bieten hat. Neben ihren überdimensionalen Maßen ist die
Coco-de-mer aber vor allem durch ihre sehr eigentümlichen
Früchte zur Bekanntheit geworden. Die weibliche Frucht, also
die Kokosnuss, erinnert in ihrer Form sehr stark an ein
weibliches Becken. Der männliche Fruchtstand sieht dazu passend
einem Phallus sehr ähnlich. Die Nüsse wiegen nicht selten
gewichtige 20 Kilogramm. Die meisten Exemplare sind im Vallée de
Mai auf Praslin zu bewundern. Ihr Namen verdankt die Palme
übrigens dem früheren Irrglauben, auf dem Meeresboden zu
wachsen. Diese Mär entstand, nachdem desöfteren die
schönen Nüsse an Stränden angespült worden
waren und sich niemand ihre Herkunft erklären konnte.
Eine
ebenfalls sehr seltene Pflanze ist die vom Aussterben bedrohte Pitcher
Plant, eine fleischfressende Pflanze mit markanten gelb-rot leuchtenden
Blütenkelchen. Die wenigen verbleibenden Exemplare können
kurz vor dem Gipfel des Mont Copolia auf Mahé gefunden werden.
Auch
der einzigartige Quallenbaum (bwa mediz) existiert nur noch auf den
Seychellen. In der Botanik ging man lange davon aus, dass diese Spezies
ausgestorben sei. Bis dann in den 70ern überraschend einige
wenige Exemplare in den kaum zugänglichen Bergwäldern
Mahés wiedergefunden wurden. Der bwa mediz ist eine der
ältesten und urtümlichsten Pflanzen der Welt,
gewissermaßen ein lebendes Fossil. Seine geöffneten
Früchte erinnern an eine Qualle und gaben ihm seinen Namen.
Andere
Bäume und Palmenarten, die man häufig sehen kann die
Latanier-Palme, die Raffier-Palme, Kokospalmen, der Bois Jasmin,
Eisenbaum (bois fer) , Schirmakazien, Diffenbachien (Dumb Canes)
und die imposanten Banyan Trees.
Besonders
farbenprächtig und deshalb schön anzusehen sind der in vielen
Farben blühende Hibiskus, die Bougainvillea, der Flamboyant und
natürlich auch der Frangipani-Baum. Dessen Blüten sind eines
der Wahrzeichen der Seychellen und werden von den weiblichen
Seychellois auch schon mal als Haarschmuck getragen.
Überall
wachsen wild unzählige Nutz- und Gewürzpflanzen wie
Vanille, Zimt, Gewürznelke, Zitronelle, Patschuli, Papaya,
Passionfrucht, Carambol, Bilimbi, Sorosol, Banane, Brotfrucht,
Jackfruit, Cashew, Golden Apple, Litschie, Mango, Papaya, Ananas, Zat,
Guave oder Vacoas, um nur einige zu nennen.
An der
Küste sind oft die endemischen farbenfrohen
Bodanmyen-Sträucher anzufinden, deren Triebe oft bis zum Wasser
reichen. Auch die mittlerweile recht seltenen Mangrovensümpfe sind
an der Küste zu Hause. Mangroven sind Pflanzen, die sowohl in
Süss- als auch Salzwasser leben können und wichtige
ökologische Funktionen übernehmen (Stabilisierung der
Küsten, Süsswasserschutz, Lebensraum für viele
Tierarten).
Viele der einheimischen Pflanzen können
übrigens auch für medizinische Zwecke ausgezeichnet genutzt
werden. Die Pflanzenheilkunde ist eine gut behütete und bis zum
heutigen Tag gelebte Tradition auf den Seychellen. Dies macht
synthetisch hergestellte Medikamente mit ihren bekannten Nebenwirkungen
in vielen seychellischen Haushalten bis heute oftmals
überflüssig. So werden der schwarze
Nachtschatten, die Fleur Poison, die Reglisse, Tanguin, Herbe
Poison oder der Strychninbaum genutzt.
Die Tierwelt steht
der Flora in Sachen Originalität in nichts nach. Es leben eine
Vielzahl endemischer Vögel und Amphibien auf den Seychellen,
Säugetiere hingegen relativ wenige.
Der bekannteste
Vertreter der heimischen Fauna ist sicherlich die nur auf den
Seychellen vorkommende Aldabra-Riesenschildkröte, ein wahres
Relikt aus den Urzeiten des Planeten. Es ist auch die größte
Schildkrötenart der Welt und übertrumpft diesbezüglich
sogar die wesentlich bekannteren Verwandten von den Galapagos-Inseln.
Zu regelrechter Popularität ist das
Riesenschildkrötemännchen Esmeralda auf Bird Island gelangt,
ist er doch mit geschätzten 200 Jahren die älteste
Schildkröte der Erde.
Die
heimische Vogelwelt dürfte das Herz jedes Ornithologene
höher schlagen lassen. Auf Praslin lebt der
äußerst seltene Black Parrot, eine (eigentlich
braungefiederte) Papageienart , von der nur noch ungefähr 40
Vögel auf der Welt existieren sollen. Der ebenso seltene Veuve,
auch Paradise Flycatcher genannt, ist gleichfalls nur auf den
Seychellen zu bestaunen. Er lebt nur auf La Digue und gibt mit seinem
langen Pfedernschwanz, seinem schwartzlauem Gefieder und der hellblauen
Färbung der Augenpartie und des Schnabels ein exotischees Bild ab.
Da er ebenfalls vom Aussterben bedroht ist, wurde für ihn ein
Schutz-Reservat auf La Digue angelegt. Farbenprächtig
präsentiert sich die Blue Pidegeon (Blaue Taube), die sich in den
Farben der französischen Trikolore blau-rot-weiß
schmückt und deshalb auch Französische Taube genannt wird.
Bedroht und damit auch sehr selten ist der winzige Seychellen-Warbler.
Noch geringer ist die Chance, den letzten flugunfähigen Vogel des
Indischen Ozeans, die Weißkehlralle, zu sehen. Sie hat nur noch
in der extremen Abgeschiedenheit des Aldabra-Atolls überleben
können.
Andere sehenswerte Vögel sind der kleine,
feuerrote Madagaskar Fody (auch Cardinal), der elegante
schwarz-weiße Magpie Robin, die winzigen
Seychellen-Webervögel (auch Toc Toc), der Hirtenmaina (auch Mynah)
mit der auffällig gelben Augenpartie und die drolligen
Seychellen-BulBuls, deren Kopffedern etwas von einer Punkfrisur haben.
Wundervoll
anzusehen sind auch die heimischen Seevögel. Allen voran der
Tropikvogel, dass Wappentier der Seychellen. Dessen Schwanzfedern sind
von außerordentlicher Länge und bieten beim Flug einen
imposanten Anblick. Es gibt ihn es mit gelben und roten
Schnäbeln. Die anmutigen Russseeschwalben und
Feenseeschwalben mit ihren spitzen schwarzen Schnäbeln und den
auffälligen schwarzen Augen einen erhabenen Anblick. Die
begabtesten Flugkünstler der Seychellen sind die großen,
blitzschnellen und sehr aggressiven Fregattvögel.
In
den Baumwipfeln und in der Luft lassen sich die Flughunde (fruit bats) beobachten.
Sie werden tägllich zum Sonnenuntergang aktiv und gleiten dann
majestisch durch den tropischen Abendhimmmel. Bisweilen fallen sie auch
durch ihr lautes Gezetter auf.
Ebenso typisch
für die Seychellen sind die allgegenwärtigen Geckos, die es
sich oft auf Blütenständen, mindestens aber ebenso gern in
menschlicher Behausung gemütlich machen. Dort spüren Sie mit
Vorliebe die Nahrung des Menschen auf. Verbreitet ist die bronzefarbene
Gattung. Wesentlich farbenfroher ist aber die oft auf La Digue zu
beobachtende Art in Leuchtgrün. Oft sitzen sie stundenlang wie
erstarrt an Wänden und Decke, um dann urplötzlich in
irrwitzig schnellen Bewegungen durch die Räume zu flitzen.
Auch
die Skinks, eine meist braun-schwarz gemusterte Echsenart ist oft,
insbesondere in den Wäldern, anzutreffen. Ebenso wird man
häufig auf die recht großen Weberspinnen treffen, die ihre
Netze gern zwischen Bäumen und Strommasten spinnen. Sie sehen zwar
bedrohlich aus, sind aber scheu und für den Menschen
ungefährlich.
Das zierliche Tiger-Chamäleon ist
wegen seiner Größe und Tarnung schwierig zu finden. Dies trifft auch
auf die selten vorkommenden Skorpione, die leicht giftigen Tausendfüssler
oder den winzigen Seychellenfrosch zu.
Der biologische
Reichtum zu Land setzt sich auch unter Wasser fort. Die Seychellen sind
mit ebenso artenreichen wie farbenfrohen Korallenriffen gesegnet und
gelten zu Recht als erstklassiges Revier zum Tauchen und Schnorcheln. Zur
Unterwasserwelt gehören Papageienfische, Soldatenfische,
Doktorfische, Barracudas, Snapper, Papageifische, Muränen,
Clownfische, Trompetenfische oder Wimpelfische um nur einige zu nennen.
Und mit etwas Glück kriegt man auch majestetisch durch das Wasser
schwebende Rochen oder für den Menschen harmlose Riffhaie zu
Gesicht. Ein Höhepunkt der Sonderklasse ist das seltene Erlebnis,
auf die gigantischen aber friedlichen Walhaie zu treffen.
So einzigartig das Ökosystem der Seychellen, so sensibel ist es.
Diverse früher auf den Seychellen heimische Arten sind
mittlerweile ausgestorben, etwa der Seychellen-Sittich, die Seekuh und
das seinerzeit in den Mangrovensümpfen lebende Krokodil. Viele
endemische Arten sind derzeit akut vom Aussterben bedroht und stehen
auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion International Union for
Conservation of Nature (IUCN).
Die Seychellois sind sich der
Fragilität ihres einzigartigen Ökosystems schon lange
bewusst. Der Umweltschutz wird auf den Seychellen ganz groß
geschrieben: über 40% des Landes und sogar unglaubliche 50% der
Landfläche stehen unter Natursschutz, mehr als in jedem anderen
Land der Welt. Es gibt 7 Nationalparks und weitere 4
Spezial-Naturreservate, die unter strengem Schutz und stetiger
Beobachtung stehen. In die novellierte Verfassung von 1993 wurde das
Recht auf eine intakte Umwelt sogar in das seychellische Grundrecht
aufgenommen. Eine weltweit wohl eher seltene Verbeugung vor der Natur .
Kunst und Kultur: Musik
Auf
Grund ihrer recht jungen Geschichte können die Seychellen
natürlich nicht auf eine sehr lange kulturelle Tradition
zurück blicken. Am ehesten findet man so etwas wie kulturelles
Erbe in der Musik. Die aus Afrika stammenden Seychellois haben den
Zouk, den Moutya und den bekannteren Sega auf die Inseln gebracht.
Traditionell wurde abends gemeinsam am Lagerfeuer gesungen und getanzt.
Begleitet wird der Gesang durch die unverzichtbaren afrikanischen
Trommeln (Bonm, Tam Tam) und Tambourin in einem treibenden
rückwärts gewandten Rhytmus. Die klassische Form findet man
heute nur noch selten und wenn am ehesten auf den abgelegenen Inseln.
Mit viel Glück kann man abends am Strand aber manchmal doch einen
Tanz sehen.
Der Sound des Indischen Ozeans ist jedoch Sega, etwa vergleichbar dem
Reggae in der Karibik.
Sega bringt das Wesen der Inseln und ihrer Bewohner in kongenialer
Weise musikalisch zum Ausdruck: er kommt meist sehr sonnig, gut gelaunt
und heiter daher. Schlichtweg die ideale Musik, um sich vor einem
Seychellen- Urlaub einzustimmen oder sich nach dem Urlaub
Erinnerungen an den Traumurlaub wachzurufen.
Der Sega ist heute auch bei jungen Seychellois
immer noch sehr beliebt. Allerdings in einer zeitgemäßen
Form, die stärker instrumentiert ist (oft Violine und Gitarre) und
teilweise poporientiert ist. Die kreolische Musik erfreut sich auch auf
den Nachbarinseln La Reunion und Mauritius großer Beliebtheit.
Klassische Sega-Künstler wie Jean Marc Volcy, Brian Matombe, Philip Toussaint
sind heute auf den Inseln echte Stars und haben durchaus auch
außerhalb der Seychellen Auftritte.
Daneben gibt es heute auf den Seychellen eine recht vitale junge kreolische Musikergeneration, die sich in Zeiten von Online-Plattformen wie youtube oder myspace auch zunehmend einer internationalen
Fangemeinde erschließt. Beispielhaft für die vielen jungen Talente seien folgende genannt, von derem Sound zumindest der Autor begeistert ist: Mercenary, Dezil, Ras Ricky oder Elijah.
Regelmäßig
zu hören ist kreolische Musik im seychellischen Radio, wo sie aber
nur einen Nebenplatz neben dem leider mittlerweile auch auf den
Seychellen angekommenem internationalem Einheits-Hiphop-R´n´B-Popbrei einnimmt.
Kunst und Kultur: Maler und Grafiker
Mittlerweile
haben sich auch einige durchaus international anerkannte Künstler
der darstellenden Kunst auf den Seychellen etabliert. Besondere
Erwähnung verdient Michael Adams. Mit seinem sehr eigenwilligen
abstrakten Malstil und den expressionistisch anmutenden Darstellungen
des Insellebens erfährt er heute weltweite Beachtung. Unweit davon
hat sich der bekannte englische Fotograf und Sklupturist Tom Bowers an
der Anse La Mouche niedergelassen. Auf Praslin zu Hause ist Christine
Harter, die für ihre eindruckvollen Aquarelle bekannt wurde und
neben der Malerei das bekannte Café des Arts an der Beau
Vallon-Bucht betreibt. Auf La Digue wiederum können die Skulpturen
und Malereien von Barbara Jensen bewundert werden. Andere
erwähnenswerte Künstler sind Golbert Nourice, Dennis Chang
Seng oder die beiden Adams-Schüler Devoud und Radegonde.
Sonstiges
Das
internationale Kfz-Kennzeichen lautet auf "SY". Das
Internet-Länderkürzel der Seychellen ist ".sc". Die
Telefonvorwahl aus dem Ausland ist +248.
Mehr lesen...