Algarve: Der Sonnenbalkon Europas

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Algarve: Der Sonnenbalkon Europas

Strand von Praia do Camillo, Goldküste, Algarve, Portugal

Die Algarve ist der südwestlichste Zipfel Europas und gilt mit über 3.000 Sonnenstunden im Jahr  als sonnigste Region des Kontinents. Noch in den 1950er Jahren war die Algarve eine der ärmsten Provinzen Portugals, deren Einwohner sich nur schwerlich von Landwirtschaft und Fischfang ernähren konnten. Heute ist sie eine der europäischen Touristenmagneten schlechthin. Neben dem schönen Wetter ist die Region vor allem für ihre pittoresken Strände an der Felsalgarve bekannt.

Hier locken goldgelber Sand und kleine windgeschützte Buchten, die in bizarre Sandsteingebilde eingerahmt sind. Das glasklare, grün-blau leuchtende Wasser des Atlantiks. Das Idyll zieht jedes Jahr hunderttausende von sonnenhungrigen Urlaubern an. Jener bekannte Küstenabschnitt wird auch als Barlavento bezeichnet („dem Wind zugewandt“) und liegt im Südwesten der Algarve zwischen Faro und dem sturmumtosten Cabo de Sao Vicente.

Doch die Region hat weitaus mehr zu bieten. Bereits die sich im Norden anschließende Costa Vicentina trägt einen ganz anderen, herben Charakter. Dramatisch abfallende Steilküsten, rauhe Westwinde, zerklüftete Felslandschaften und weitauslaufende, breite Strände, an denen pausenlos riesige Brecher anrollen. Hier finden sich noch viele einsame Fleckchen. Das raue Klima scheint auf natürliche Art und Weise Schutz vor Pauschaltourismus zu bieten. Eher ein Hot-Spot für Wellenreiter und Individualisten.

Die östliche Küste bis hin zum spanischen Andalusien, wiederum trägt ein sanftes Angesicht. Die Sotavento („dem Wind abgewandt“) ist wenig bekannt und deshalb ebenfalls weitgehend unbeachtet vom Run der Reiseveranstalter. Dabei wartet sie mit lieblicher Wattenküste, schmalen Laguneninseln und langen Sandstränden auf. Die Landschaft ist natürlicher Lebensraum für viele seltene Pflanzen und Tiere. So lebt in den Lagunen der vom Aussterben bedrohte cao de agua, der wilde, tauchende Pudel. Auch rosarote Flamingos kann der aufmerksame Naturfreund mit etwas Glück entdecken.

Neben dem gut 200 km langen Küstenstreifen (“Litoral“), wird der größte Teil der Algarve aber durch die Landschaften des Barrocal und der Serra bedeckt. Diese Naturräume sind karges, von Sandstein und Schiefer geprägtes Hügelland, dass sich mit dem Foia bis auf über 900 Meter anhebt. Der imposante Blick von hier oben reicht über die komplette Algarve bis zum Atlantik. Das Gebiet ist äußerst dünn besiedelt und kaum ein Tourist verirrt sich hierher. Wer authentisches portugiesisches Landleben abseits der Touristenzentren erleben will, wird es hier finden. Die ruhige Bergwelt bietet neben dem Erlebnis unberührter Natur auch eine gute Gelegenheit, die regionalen Spezialitäten und Produkte kennenzulernen und zu probieren: frischer Ziegenkäse, Mandarinen und Wein, leckerer Mandelkuchen oder der hochprozentige Medronho, ein aus Erdbeeren gewonnener Obstbrand.

Auch für Geschichts- und Kulturinteressierte ist die Region spannend, lässt sich doch in den alten Seefahrer-Städten wie Faro oder Lagos vorzüglich auf den Spuren des Goldenen Zeitalters wandeln. Unzählige Relikte aus der Epoche der Portugiesischen Entdecker wie Vasco da Gamma, die seit dem 13. Jahrhundert mit ihren Karavellen von hier aus Welt eroberten, lassen sich noch heute finden. Eine ungefähre Vorstellung des damaligen Wohlstands bekommt man in den zahlreichen prächtigen Sakralbauten mit ihren oft komplett vergoldeteten Kirchenschiffen, etwa in der Igreja de Santo António in Lagos. Daneben lassen sich überall auch arabische Akzente entdecken. Schließlich beherrschten die Mauren den Landstrich für Jahrhunderte und gaben der Region auch ihren heutigen Namen. „Al Gharb“ bedeutet auf Arabisch „Westen“ und rührte von der Lage als westlichstes Emirat des alten Persereichs. So findet sich arabisches Kundsthandwerk bis heute überall im Straßenbild, zum Beispiel in Form der kunstvoll bemalten Mosaikfliesen, den sogenannten Azulejos.

Für welche Entdeckungen man sich an der Algarve auch entscheidet, eines ist allen Orten gemein. Überall trifft man auf freundliche und so gar nicht dem typisch südländischen Klischee entsprechende Menschen, die den Reisenden gern “bem vindo“, herzlich willkommen, heißen.

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