Namibia: Online-Reiseführer

BLOG!

Namibia: Online-Reiseführer

Giraffe in abendlicher Savanne, Namibia

In diesem kleinen Online-Reiseführer stelle ich das faszinierende Nambia vor. Das wundervolle Land hat mich seit meinem ersten Besuch in seinen Bann gezogen. Deshalb habe ich mich intensiv mit dem Wüstenstaat beschäftigt und möchte hier mein Wissen weiter geben: Informationen zu Geografie und Lage, Klima und bester Reisezeit, Einreisebestimmungen und Zoll, Geld und Währung, Sicherheit, Geschichte, Wirtschaft und Politik, Bevölkerung, Natur, Flora und Fauna, Bevölkerung und Sprache, Kunst und Kultur.

Geographie und Lage

Namibia gehört geografisch zu Afrika und wird im Norden durch Angola und Sambia, im Osten durch Botswana, im Süden durch Südafrika (Orange River) und im Westen durch den Atlantik begrenzt. Die Landfläche umfässt über 824.000 km² und entspricht damit fast der zweieinhalbfachen Fläche Deutschlands. Das heutige Staatsgebiet umfasst einen der ältesten Teile der Erdkruste. Schon die Wahl des Staatsnamens lässt erahnen, dass das dominierende Element die Wüste ist. Davon gibt es mit Namib, Kalahari und den beiden Karoo-Wüsten allein vier verschiedene. Gut 15% der Landfläche bestehen aus Sand. Namibia lässt sich von West nach Ost in deutlich unterschiedliche Landschaftsformen einteilen. Im Westen erstreckt entlang des Atlantiks die Namibwüste mit einer Längsausdehnung von über 1500 Kilometern. Sie wird durch die große Randstufe (Abbruchstufe) begrenzt, die bis auf über 2000 Meter ansteigt. Es schließt sich das Zentrale Hochplateau an, dass wiederum durch das Kalahari-Becken im Osten begrenzt wird. Eine kontrastreiche Besonderheit bildet der dünne Landstreifen im äußersten Nordosten (Caprivi-Zipfel), der sich durch seinen im Gegensatz zum Rest des Landes hohen Wasser- und Vegetationsreichtum auszeichnet.

Klima, Wetter, Beste Reisezeit, Jahreszeiten

Auf Grund der Lage auf der Südhalbkugel sind Namibias Jahreszeiten den unseren entgegengesetzt. Vereinfachend kann man zwei Jahreszeiten unterscheiden. Die Trockenzeit mit moderaten Temperaturen bis 25° Grad und frischen Nächten von Mai bis September. Die Regenzeit dauert von Oktober bis April und kann tagsüber sehr heiß werden (zwischen 30 und 40° Celsius). Sofern der seltene Regen fällt, ergießt sich dieser meist in kurzen, heftigen Strömen. Es gibt allerdings auch immer wieder jahrelange regionale Trockenperioden. Das Klima in Namibia ist durchschnittlich subtropisch-kontinental und sehr trocken (arid). Namibia ist eines der trockensten Länder der Welt. Allerdings gibt es erhebliche klimatische Unterschiede zwischen den einzelnen Landesteilen. In der Namibwüste sind Niederschläge, typisch für die thermischen Bedingungen einer Küstenwüste, sehr selten und die Temperaturen auch im Winter meist warm (über 25°C). In der Nacht kann es dann aber empfindlich kalt werden und sogar Bodenfrost geben. In den heißen Sommermonaten steigen die Temperaturen deutlich über 30° Celsius. Ähnliches gilt für die Kalahari-Wüste in abgeschwächter Form. An der Atlantikküste ist es hingegen relativ kühl, sehr oft neblig (bedingt durch den kalten Benguala-Strom) und die Wassertemparatur steigt nur selten über 15° Grad. Der Norden, vor allem Caprivi und Kavango, wiederum ist tropisch geprägt. Das bedeutet neben hohen Temperaturen auch häufige Niederschläge und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Detaillierte Informationen zur besten Reisezeit finden Sie unter den Reisetipps für Namibia.

Aktueller Wetterbericht

Für aktuelle und ausführliche Wetterdaten empfehle ich den Meteo-Dienst Wunderground. Dort kann man unter anderem auch eine detaillierte 7-Tages-Prognose abrufen: http://www.wunderground.com/global/stations/68110.html.

Zeitzone, Zeitverschiebung, Sonnenaufgang, Sonnenuntergang

Namibia liegt in unserer Sommerzeit 1 Stunde hinter der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) zurück. Im Winter hingegen ist die namibische Zeit unserer 1 Stunde voraus. Da Namibia als einziges afrikanisches Land auch eine Zeitumstellung eingeführt hat, diese aber von der Europäischen abweicht, gibt es bisweilen das Phänomen der Zeitgleichheit. Eine Besonderheit ist der Caprivi-Streifen, wo ganzjährig die südafrikanische Zeit gilt (UTC +2). Jetlag ist auf Grund der geringen Zeitverschiebung nach der Anreise kein Thema.

Flugdauer und Anreise

Die Anreise erfolgt für gewöhnlich per Flugzeug und nimmt von Deutschland aus je nach Airline und bei einem Direktflug ungefähr 9 bis 10 Stunden Flugdauer in Anspruch. Es gibt mehrere Fluggesellschaften, die den internationalen Flughafen Windhoek mehrmals wöchentlich oder sogar täglich anfliegen. Zunächst hat man die Möglichkeit, mit der landeseigenen Fluggesellschaft Namibia Air nonstop ab Frankfurt zu fliegen. Weiterhin haben auch South African Airways, British Airways und Lufthansa. Namibia im Flugplan. Häufig wird der Gabelflug über das südafrikanische Johannesburg angeboten.

Einreisebestimmungen und Zoll

Ein Visum wird für Staatsbürger von Deutschland, Österreich oder Schweiz nicht benötigt, allerdings muss ein noch mindestens noch 6 Monate gültiger Reisepass bei der Einreise vorgelegt werden. Es wird dann eine Aufenthaltsgenehmigung für maximal 90 Tage erteilt. Es ist keine Impfung bei Einreise vorgeschrieben, es sei denn man reist aus einem deklarierten Gelbfieber-Infektionsgebiet ein. Dies trifft auf eine Reihe afriakanischer Staaten zu. Welche Länder aktuell betroffen sind, kann beim Auswärtigen Amt oder bei Gesundheitsämtern erfragt werden. Davon unbenommen sollte man dem Thema Impfschutz und Gesundheitsvorsorge in Namibia bzw. dem südlichen Afrika generell besondere Aufmerksamkeit schenken. Ausführliche Hinweise finden Sie unter den Reisetipps.

Währung und Geld

Landeswährung ist der 1993 eingeführte Namibia-Dollar (NAD, 1 Namibia-Dollar = 100 Cent). Auf Grund der Historie und der engen wirtschaftlichen Verbindungen ist auch der Südafrikanische Rand (ZAR) offizielles Zahlungsmittel mit einer 1:1-Parität. Umgekehrt wird jedoch der NAD nicht in Südafrika akzeptiert. Ein Euro entspricht ungefähr 10 Namibia-Dollar (Stand: 10/2010). Tagesaktuelle Wechselkursinformationen können bei OANDA abgerufen werden.

Hauptstadt Namibia

Die Hauptstadt Namibias ist das zentral und auf ca. 1700 Metern gelegene Windhoek. Derzeit zählt die relativ überschaubare Kapitale ungefähr 400.000 Einwohner, verzeichnet aber einen starken Bevölkerungszuwachs.

Bevölkerung und Demografie

Die aktuelle Einwohnerzahl liegt bei schätzungsweise 2,1 Millionen (Stand: 2010). Im Verhältnis zur riesigen Landfläche ergibt sich damit ein sehr geringe Bevölkerungsdichte von 2,6 Einwohner pro km². Damit ist Namibia eines der am dünnsten besiedelsten Länder der Erde. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung aber auch recht stark. Im statistischen Durchschnitt bringt jede namibische Frau fast 4 Kinder auf die Welt.

Auf Grund der Siedlungshistorie leben zahlreiche Ethnien in Namibia, was einer der besonderen Reize des Landes ist. Die größte Bevölkerungsgruppe stellen die Ovambo, eine Ethnie die zum Bantu-Kulturkreis gehört und in Namibia in 8 Untergruppen lebt. Sie sind ab dem 15. Jahrhundert aus Ostafrika eingewandert. Auf Grund ihrer tragenden Rolle im Befreiungskampf gegen Südafrika (als SWAPO) haben die Ovambo heute auch die politische Mehrheit inne.

Die Nama sind bereits vor mehr als 2500 Jahren eingewandert und gehören zu den Khoisan sprechenden Völkern. Von den Kolonialherren wurden sie abwertend als „Hottentotten“ bezeichnet. Eine Untergruppe sind die Orlam, die sich ab dem 17. Jahrhundert von ihrer Volkgruppe abgrenzten und Verbindungen mit den europäischen Besetzern eingingen und sich vom traditionellen Leben lossagten.

Die älteste Bevölkerungsgruppe Namibias und wahrscheinlich auch Afrikas sind die San, früher abfällig als „Buschmänner“ tituliert. Typisch sind ihre geringe Körpergröße, der schlanke Körperbau und ihre ungewöhnliche Sprache mit den spezifischen Schnalz- und Klicklauten. Durch zugewanderte Völker und nicht zuletzt die Kolonialpolitik wurden sie vor allem in die trockenen Gebiete der Kalahari abgedrängt. Einige wenige führen dort heute noch das traditionelle Leben als Jäger und Sammler. Die meisten San hingegen leben heute völlig verarmt in den Städten. An den Rand der Gesellschaft gedrängt, ist diese Gruppe vom Aussterben bedroht.

Eine ebenfalls sehr alte Bevölkerunsgruppe sind die Damara, welche die selbe Sprache wie die Nama sprechen. Sie sind aber deutlich größer, kräftiger und dunkelhäutiger als diese.

Die Herero sind ab dem 16. Jahrhundert aus Ostafrika eingewandert. Sie sind schon immer als Viehzüchter erfolgreich gewesen und leben in Großfamilien zusammen. Ihre Frauen schmücken sich mit den bekannten auffälligen Kopfbedeckungen, die an ein Stierhörner erinnern sollen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Gruppe fast vollständig von der deutschen „Schutztruppe“ unter General von Trotha ausgelöscht.

Die Himba sind die einzige heute noch nomadisch lebende Volksgruppe in Namibia. Sie sind mit den Herero verwandt, die Viehzucht ist auch bei ihnen der Lebensmittelpunkt. Als Hirtenvolk leben sie bis heute in der Abgeschiedenheit des Kaokoveldes im äußersten Norden Namibias. Dort haben sie ihre traditionelle Lebensweise weitgehend bewahren können. Dazu zählen auch die rote Körperbemalung, die langen Zöpfe, die Bekleidung mit dem Lendenschurz oder der opulente Körperschmuck. In den letzten Jahren ist durch äußere Einflüsse (u. a. Tourismus) dieses archaische Leben allerdings ins Wanken geraten. Gesellschaftliche Probleme wie Alkoholismus sind mittlerweile auch bei den Himba angekommen. Durch infrastrukturelle Baumaßnahmen (z. B. Epupa-Staudamm) verlieren die Himba zudem zunehmend ihre für sie überlebenswichtigen Weideflächen. Angesichts dieser Entwicklungen ist der Fortbestand dieser faszinierenden Subgesellschaft stark gefährdet.

Die Europäer, Nachfahren der ehemaligen Kolonisten sind heute nur noch eine kleine Bevölkerungsgruppe, ihr Anteil beträgt gerade noch 5% mit abnehmender Tendenz. Gleichzeitig sind sie aber nach wie vor die wohlhabenste Gruppe und verfügen über große Besitzungen und Landflächen. Auf Grund der von der Regierung begonnenen Landreformen könnte sich dies aber in der Zukunft noch ändern. Neben holländischstämmigen Buren und Briten besteht diese Gruppe vor allem aus deutschstämmigen Namibiern. Trotzdem die deutsche Kolonialherrschaft (Deutsch Südwest) nur bis 1915 andauerte, sind deutsche Einflüsse bis heute überall noch stark präsent.

Die kleinste Volksgruppe sind schließlich die Baster, die aus der Verbindung von Nama oder Damara und den Buren hervorgingen. Sie leben noch heute in der von ihnen gegründeten Stadt Rehobooth.

Sprache

Entsprechend der multiethnischen Gesellschaftsstruktur werden in Namibia über 30 Sprachen gesprochen. Die offizielle Amtssprache ist Englisch, obwohl dies die Muttersprache von kaum einem Namibier ist. Mit der Einführung dieser „neutralen“ Amtssprache bei Staatsgründung wollte man die Bevorzugung einzelner Bevölkerungsgruppen vermeiden. Auf Grund des konsequenten Gebrauchs, z. B. in Bildungseinrichtungen oder Behörden, ist mittlerweile der Anteil Englisch sprechender Namibier sehr hoch. Am verbreitetsten sind hingegen afrikanische Khoisan- und Bantusprachen. Am häufigsten gesprochen wird Oshivambo, welches für mehr als die Hälfte der Namibier die Muttersprache ist. Die durch die europäischen Siedler und Kolonisten eingeführten Sprachen haben insgesamt keine große Bedeutung mehr, sind aber in der weißen Bevölkerung und bei Farmarbeitern noch stark verbreitet. Afrikaans sprechen über 6o% dieser Gruppe und immerhin ein Drittel noch deutsch. Letzteres wird dabei als gut verständliches Hochdeutsch mit einigen begrifflichen Besonderheiten gesprochen, auch als Südwester-Deutsch bekannt.

Fauna – Einheimische Tiere

Trotz der Kargheit des Landes hat sich eine abwechslungsreiche Tierwelt in Namibia herausgebildet. Dies ist nicht zuletzt der vorbildlichen Naturschutzpolitik des Landes zu verdanken. Immerhin stehen über 15% des Landes unter Naturschutz. Wilderei wird konsequent bekämpft. Zuerst denkt man natürlich an die typischen afrikanischen Big Five: Elefant, Löwe, Nashorn, Büffel und Leopard. Aber Namibias Tierwelt hat deutlich mehr zu bieten wie nachfolgende kleine exemplarische Auswahl eindrucksvoll belegt:

  • Wildkatzen: Löwe, Leopard, Gepard, Karakal (Wüstenluchs), Zibetkatze, Serval, Afrikanische Wildkatze
  • Großsäuger: Elefant, Nilpferd, Spitzmaulnashorn, Breitmaulnashorn, Giraffen
  • Kleinsäuger: Erdhörnchen, Erdmännchen, Zebra- und Fuchsmangusten, Erdferkel, Baum- und Borstenhörnchen, Klippschliefer, Springhase, Honigdachs
  • Antilopen: Springbock, Schwarzfersenantilope (Impala), Streifengnu, Oryxantilope (Gemsbock), Elenantilope, Rappenatilope, Kudu, Kirk Dikdik, Moschusböckchen, Ellipsenwasserbock, Krondenducker, Kuhantilope, Klippspringer, Steinböckchen und unzählige mehr
  • Affen: Dies ist die die einzige Gattung, die nur in geringer Varietät und zwar exakt in zwei Arten in Namibia vorkommt: Bärenpavian und Grüne Meerkatze.
  • Sonstige Säuger: Wildpferde, Steppenzebra, Bergzebra, Warzenschwein, Stachelschwein, Tüpfelhyäne, Schabrackenhyäne, Streifenschakal, Schabrackenschakal, Löffelhund, Hyänenhund, Delfine
  • Reptilien: diverse Schlangenarten, unter anderem Vipern, Kobras, Ottern, Gecko, Chamäleon, Skorpion, Waran (Lizard), Krokodile (nur im Norden), Eidechsen
  • Vögel: Über 600 Arten sind in Namibia heimisch. Oft zu sehen sind die leuchtend bunten Masken-Webervögel und die großschnäbeligen Tokos. Ausserdem fallen der Sekretär, die Riesentrappe und der Strauß allein schon wegen ihrer Größe oft auf. Am Atlantik sieht man oft Pelikane, Kormorane und Flamingos, seltener auch Brillenpinguine und Seeadler.
Flora – Einheimische Pflanzen

Auch die heimische Pflanzenwelt zeigt sich überraschend abwechslungsreich, erst recht für den Touristen, welcher wohl eher durchgängige Kargheit erwartet. Je nach Landstrich kann es aber auch durchaus dichte Vegetation geben und selbst die Wüste ist keineswegs völlig karg.

Typisch für Namibia sind Pflanzen, die sich auf die harten, trockenen Bedingungen einzustellen gelernt haben. Ein eindrucksvolles Beispiel ist die endemische Welwitschia, die trotz der widrigen Voraussetzungen mehr als 2000 Jahre alt werden kann. Ihre Wasserzufuhr in der Namib sichert sie über ein weitläufiges Wurzelsystem, deren Wurzeln über 15 Meter lang werden können. Ebenso typisch für Namibia sind die eigentümlichen Köcherbäume, die eigentlich keine Bäume sondern eine Aloen-Art sind. Überall im Land wird man auf die schirmartig auslaufenen Kameldornakazien und Ana-Bäume treffen, die jedes Klischee von afrikanischer Savanne erfüllen. Verbreitet sind auch Makalani-Palmen, Feigen- und natürlich die riesigen Affenbrotbäume, hier als Baobab bekannt. Am häufigsten sind aber Sukkulenten, Flechten, Büsche und Gräser anzutreffen. Selten aber dafür umso eindrucksvoller sind die sogenannten Halfmens, Sukkulenten die im Gegenlicht oder bei Dämmerung tatsächlich menschenähnlich aussehen.

Wirtschaft und Bruttinlandsprodukt (BIP)

Namibia zählt mit einem Pro-Kopf-BIP von über 4.000 Dollar je Einwohner zu den wohlhabenderen afrikanischen Staaten. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist die Förderung der reichlich vorhandenen Bodenschätze. Unter anderem gibt es riesige Vorkommen von Uran, Diamanten, Silber, Blei und Kupfer. Namibia ist einer der weltweit größten Diamantenlieferanten. Auch beim Fischfang nimmt Namibia eine der weltweiten Spitzenstellungen ein. Mittlerweile hat der Dienstleistungssektor, vor allem der Tourismus, mit über 50% Anteil am BIP die zentrale Rolle. Trotz dieser auf den ersten Blick gar nicht so schlechten Bedingungen herrscht große Armut vor. Das Einkommen ist außerordentlich ungleich verteilt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze (UNDP). Mehr als 70% der Beschäftigten sind in Land- oder Kleinwirtschaft tätig und können damit gerade überleben. Dieser Sektor trägt entsprechend auch nur marginal zum BIP bei. Arbeitslosigkeit ist ein massives Problem. Je nach Region verzeichnet man Arbeitslosenquoten zwischen 30 und 50%.

Politik und Staatsform

Die offizielle Staatsbezeichnung lautet auf Republic of Namibia. Das Land wird als demokratische, semipräsidentielle Republik (vergleichbar Frankreich) geführt. Staatsoberhaupt ist der vom Volk für 5 Jahre gewählte Präsident. Derzeit (2011) bekleidet Hifikepunye Lucas Pohamba aus der Volksgruppe der Ovambo und Führer der SWAPO dieses Amt. Regierungschef ist der Premierminister, das Parlament setzt sich aus zwei Kammern zusammen.

Geschichte

Namibia ist eine der jüngsten Nation dieser Erde und wurde erst 1990 gegründet. Die ersten kulturellen Zeugnisse reichen jedoch gut 30.000 Jahre zurück. Zwischen diesen beiden Zeitpunkten liegt eine bewegte, nicht selten traurige Geschichte:

  • vor ca. 800 Mio. Jahren: Im Norden und Süden Namibias bilden sich zwei riesige Becken, die die Grundlage für die Geologie des heutigen Landes legen.
  • vor ca. 80.000 Jahren: Unweit vom heutigen Grootfontein schlägt der bislang größte auf der Erde gefundene Meteorit ein, dieser kann noch heute auf der privaten Hoba-Farm besichtigt werden.
  • vor ca. 30.000 Jahren: Unbekannte Frühkulturen hinterlassen erste menschliche Spuren, u. a. die Felsmalereien in der Apollo-11-Höhle, die erst 1969 entdeckt werden.
  • vor ca. 5.000 Jahren: Die Felsgravuren bei Twyfelfontein entstehen, wahrscheinlich geschaffen von den ersten San.
  •  vor ca. 2.500 Jahren: Die Vorfahren der Nama wandern aus Norden ein, wo sie auf die bereits lange hier lebenden San und Damara treffen.
  •  um 1400: Die ersten Ovambo wandern ein.
  • 1486 – 1487: Mit dem Portugiesen Diego Cao erreicht der erste Europäer das Landgebiet des heutigen Namibia, ein Jahr später folgt ihm legendäre Bartolomeo Diaz und errichtet in der Lüderitzbucht ein Steinkreuz, bis heute als Diaz Point bekannt.
  • um 1600: Die Herero wandern mit ihren Viehherden aus Ostafrika ein.
  • 1723: Als erste europäischstämmige Siedler kommen die Buren über den Orange-River nach Namibia.
  • 1842: Mitarbeiter der Rheinischen Missionsgesellschaft gründen erste Stationen, die sich schnell zu wirtschaftlichen Zentren entwickeln.
  • 1883: Die deutsche Flagge wird im Auftrag des Bremer Kaufmanns Adolf Lüderitz gehisst, Ländereien werden den Einheimischen abgekauft, oft in betrügerischer Weise.
  • 1884: Das deutsche Kaiserreich stellt die Besitzungen von Lüderitz unter seinen Schutz, Deutschland wird damit offizielle Kolonialmacht in Deutsch Süd-West, in der Kongo-Konferenz in Berlin wird der Status international anerkannt.
  • 1885 – 1904: Die Erschließung der Kolonien durch die deutschen Besatzer gestaltet sich schwieriger als gedacht, die Kolonisten stossen überall auf den Wiederstand der Einheimischen, vor allem mit den Herero, Nama und den Witbooi gibt es stetige Auseinandersetzungen, 1889 entsendet Deutschland die erste Schutztruppe, um die Sicherheit der deutschen Siedler zu gewährleisten, die Feste in Windhoek wird errichtet, die Konflikte eskalierenim Herero-Aufstand von 1904, in der berühmt-berüchtigten Schlacht am Waterberg werden die Herero vernichtend geschlagen, viele Herero können zwar in die nahe Kalahariwüste flüchten, wo sie aber von den Truppen des Generals von Trotha eingekesselt werden und letzlich an Durst und Hunger sterben, über 80% der Volksgruppe verlieren in diesen Tagen ihr Leben.
  • 1907 – 1915: Der deutsche Kaiser erklärt 1907 das Ende des Krieges, überlebende Nama und Herero werden enteignet und zu Hilfsarbeitern in Landwirtschaft und Bergbau degradiert, 1908 wird in der Namib der erste Diamant gefunden, der Diamantenrausch beginnt, mitten in der Wüste entstehen Siedlungen wie Kolmannskuppe, mit Beginn des ersten Weltkrieges 1914 marschieren südafrikanische Truppen unter General Loius Botha in Namibia ein, die auf Seiten der Alliierten kämpfen, 1915 kapituliert die unterlegene deutsche Schutztruppe.
  • 1919: Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges verliert das Deutsche Reiche sämtliche Kolonien (Vertrag von Versailles), Südwest wird vom Völkerbund unter südafrikanisches Mandat gestellt.
  • 1939: Mit Ausbruch der zweiten Weltkrieges werden deutschstämmige Männer in Lagern interniert, die beiden Geologen Henno Martin und Herrmann Korn flüchten in den Kuiseb Canyon und Martin schreibt seinen Bestseller „Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste“.
  • 1960: Gründung der SWAPO (South West Africans People´s Organization) mit dem Ziel der politischen Unabhängigkeit vom mittlerweile rassistischen Südafrika, dass sich vom Mandatsträger zum Unterdrücker entwickelt hat.
  • 1964 – 1989: Gründung von Homelands mit dem Ziel der Rassentrennung durch die Odendahl-Komission, damit hält die Apartheid auch Einzug in Namibia, ab 1966 erste Kämpfe zwischen Südafrika und Swapo, 1971 erklärt die UNO das südafrikanische Mandat für beendet, was aber von Südafrika ignoriert wird, 1978 Vermittlungsversuche der UNO, statt diese anzunehmen bombardiert Südafrika Swapocamps, mit dem Ende des Apartheid-Regimes in Südafrika werden 1989 in Namibia die ersten freie Wahlen möglich, welche die SWAPO mit deutlicher Mehrheit gewinnt.
  • 1990: Am 21.3.1990 wird das Land in die Unabhängigkeit entlassen und wählt den Staatsnamen Namibia und eine demokratische Verfassung, erster Staatspräsident wird der SWAPO-Füher Sam Nujoma, welcher auf eine moderate und versöhnliche Politik setzt.
  • 1993 – 1994: Der Namibia-Dollar wird als offizielles Zahlungsmittel eingeführt, die letzte südafrikanische Enklave Walvis Bay wird 2004 an Namibia übergeben.
Staatsflagge, Wappen und Hymne Namibias

Die offizielle Flagge Namibias wurde mit der Staatsgründung 1990 eingeführt. Wie bereits zuvor bei der Wahl des Staatsnamens und der offiziellen Amtssprache wollte man damit möglichst vielen Bevölkerungsgruppen entgegen kommen. So sind sowohl die Farben der damaligen (und heutigen) Regierungspartei und Unabhängigkeitsbewegung Swapo als auch der größten oppositionellen Turnhallenallianz enthalten: Rot, Blau, Grün und Weiß. Die Farben sind als diagonal nach oben laufende Streifen angeordnet. Oben links symbolisiert eine gelbe Sonne mit ihren zwölf Strahlen die verschiedenen Ethnien Namibias.

Im Staatswappen Namibias wird die Staatsflagge als Schild von zwei Gemsböcken (Oryx-Antilopen) gehalten. Das Schild steht auf einer nur in Namibia vorkommenden Welwitschia-Pflanze, obenauf sitzt ein Schreiseeadler. Im Spruchband finden sich die Grundsätze der namibischen Verfassung: „Unity, Liberty, Justice“.

Die Nationalhymne Namibias heißt „Namibia Land of the Brave“ und wurde 1990 anlässlich der Unabhängigkeit im Rahmen eines Komponistenwettbewerbs ausgewählt.

Sonstiges

Das internationale Kfz-Kennzeichen lautet auf „NAM“. Das Internet-Länderkürzel Namibias ist „.na“. Die Telefonvorwahl aus dem Ausland ist +264.

In den nachfolgenden Artikeln stelle ich Sehenswertes in Namibia vor und gebe diverse praktische Reisetipps.

Bilder Nambia ansehen..

Ähnliche Beiträge

Kommentare

Ihr Kommentar

Pflichtfeld

Pflichtfeld