Namibia: Ohrenbetäubende Stille trifft Luxus der Weite

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Namibia: Ohrenbetäubende Stille trifft Luxus der Weite

Menschen auf Sanddünen im Sossusvlei, Namib-Naukluft-Nationalpark, Namibia

Fast ohrenbetäubende Stille,  unberührte Natur und Luxus der Weite. In pathetischen Worten wirbt das Namibia Tourism Board für einen Besuch in seinem Land. Spätestens wenn man nach stundenlangem Geholper über staubige Schotterpisten immer noch keiner einzigen Menschenseele begegnet ist, weiß man um den Wahrheitsgehalt dieser Worte.

Mit einem Staatsgebiet von der doppelten Größe Deutschlands und geschätzten 2 Millionen Einwohnern ist Namibia eines der am dünnsten besiedeltsten Länder der Erde. Endlose Weite und entfesselnde Freiheit. Kontemplative Stille und hypnotische Einsamkeit. Das sind hier keine schwelgerischen Werbeplattitüden, keine Übertreibungen des Reiseführers. Das ist das besondere Erlebnis Namibias, dessen Ruf Abenteuerlustige aus aller Welt folgen. Wer in die einstige deutsche Kolonie kommt sucht vor allem eines: die enge Begegnung mit der Natur. Schließlich ist das Land für seine spektakulären Landschaften und die intensiven, klaren Farben, aber auch seine grandiose Tierwelt bekannt. Ein Traum für Landschafts- und Wildlifefotografen.

Die prägende Landschaftsform des trockenen Landes ist freilich die Wüste. Nicht von ungefähr stand die Namib Pate, als nach der Unabhängigkeit im Jahr 1990 ein passender Name für die junge Nation gesucht wurde. Wer jetzt an triste Einöde denkt, hat jedoch weit gefehlt. Es existieren nicht weniger als vier verschiedene Wüstenformen, die sich ihrerseits in unzähligen Facetten präsentieren. Und ganz nebenbei auch einige Weltrekorde halten.

So ist die Kalahari die größte zusammenhängende Sandfläche der Welt. Der feine, meist rostrote Sand türmt sich zu sanften Dünenkämen auf, die in Kilometer langen Bahnen zum Horizont ziehen. Wüstengras und Akazien setzen überraschend farbenfrohe Kontraste.

Auch die Sukkulenten Karoo will so gar nicht dem vorherrschenden Wüstenklischee entsprechen: Im südlichen Winter bildet ihr pastellenes Blütenmeer einen bunten Kontrast zu den sonst dominierenden Grau-, Beige- und Ocker-Tönen. Sie ist das artenreichste Wüstensystem der Welt. Allein von den namensgebenden Gewächsen gibt es hier fast 2.000 verschiedene Spezies. Auch die steinige Nama Karoo bietet trotz ihrer Trockenheit zahlreichen Gräsern, Sträuchern und Aloen, nicht zuletzt dem eigentümlichen Köcherbaum eine Heimat.

Die Namib ist die älteste und gleichzeitig die trockenste Wüste der Welt. Für viele ist sie auch die Schönste. Der Norden ist geprägt von schroffem, zerklüfteten Bergketten und endlosen Geröllebenen. Im Süden begeistern surreale Sinfonien aus Sand. Wie gemalt wirken die unfassbaren Farben und Formen. Landschaften die eher an fremde Planeten, als an unsere heimische Erde erinnern. Ein besonderes Highlight sind die je nach Tageszeit orange bis glutrot leuchtenden Sterndünen im Sossusvlei. Mit über 300 Metern gelten einige von ihnen zugleich als die höchsten Sanddünen der Welt.

Aber das Land hat noch weitaus mehr als Wüste zu bieten. So schließt sich direkt an die Namib die berühmt-berüchtigte Skelettküste an. Jenes lebensfeindliche, vom Atlantik wildumtoste und von Seefahrern bis heute gefürchtete Gebiet. Gespenstisch wirkt die graubraune Szenerie, wenn morgens die Nebelschwaden vom Ozean heranschleichen. Und die Wracks unzähliger gestrandeter Schiffe und die Skelette ihrer glücklosen Besatzungen in einen geheimnisvollen dichten Schleier einhüllen.

Ein ebenso atemberaubendes Erlebnis ist es, an der Abbruchkante des Fish River Canyons zu stehen und einen Blick in den über 500 Meter tiefen Abgrund zu wagen. Der Rausch der Farben im weltweit zweitgrößten Canyon zum Sonnenuntergang ist eine Erfahrung sondergleichen.

Und es gibt noch zahlreiche Naturschauspiele mehr zu entdecken: Ob grenzenlose Busch- und Baumsavannen. Das Zentralplateau mit seinen weiten Ebenen und den spektakulären Gebirgsketten wie dem Khomas-Hochland oder den Tirasbergen. Rauschende Wasserfälle wie die Epupafalls. Das gewaltige Brandbergmassiv mit Namibias höchster Erhebung, dem Königstein. Majestätische Tafelberge wie das beeindruckende Waterbergplateau. Sensible Lagunensysteme wie Sandwich Harbour an der Atlantik-Küste. Bizarre Gesteinsformationen und riesige Granitmurmeln, die wirken als seien sie geradewegs vom Himmel gefallen. Millionen Jahre alte Meteoriten und geheimnisvolle Feenkreise. Sonderbare Pflanzen, wie die urzeitliche Welwitschia, die jahrezehntelang ohne einen einzigen Tropfen Wasser überleben kann. Gleißend weiße Lehmpfannen und versteinerte Wälder.

Die Naturräume im Nordosten bilden schließlich einen krassen Gegensatz zum herben und ariden Charakter des übrigen Landes. Im Caprivi-Streifen sowie dem Kavango dominiert das satte Grün der tropischen Vegetation. Feuchtsavannen und Sumpfgebiete bieten einer ausgesprochen abwechslungsreichen Flora und Fauna einen wertvollen Lebensraum.

Überhaupt ist Namibias Tierwelt ausgesprochen vielfältig. Besonders im Etosha Nationalpark und im Caprivi schlägt das Herz jedes Tierliebhabers unweigerlich höher. Auf einer Safari hat man dort die allerbesten Chancen, die Big Five allesamt aus nächster Nähe kennenzulernen: Elefant, Nashorn, Leopard, Büffel und Löwe. Wesentlich häufiger trifft man auf die vielen Antilopenarten, besonders oft kreuzen Kudus, Springböcke und Oryxe die Wege des Reisenden. Aber auch Giraffen, Strauße oder Zebras sind stetige Begleiter auf einer Tour durch das weite Land. Auch unzählige exotische Vogelarten, vom flugfähigen Strauß, über den eleganten Sekretär bis hin zu den leuchtenden Webervögeln mit ihren riesigen Nestern sind in Namibia heimisch.

Vielfalt ist ein Attribut, dass auch auf die Namibier selbst zutrifft. Historisch bedingt ist Namibia heute eine multiethnische Gesellschaft, die aus insgesamt 12 Volksgruppen besteht. Wer sie sucht und keine Scheu hat, findet überall im Land beeindruckende Begegnungen mit den unterschiedlichen Menschen und ihren Kulturen. So trifft man in der Kalahari auf die kleinwüchsigen San (Buschmänner). Sie sind die Ureinwohner des Landes und für ihre unverwechselbaren Schnalz- und Klicklaute bekannt. Einige wenige von ihnen führen bis heute ein archaisches Leben als Jäger und Sammler. Nicht zu übersehen sind die selbstbewussten Herero-Frauen mit ihren farbenprächtigen Kopfbedeckungen und den ausladenden Kleidern. Im äußerst abgelegenen Kaokoveld leben noch weitgehend unberührt von westlicher Zivilisation die halbnomadischen Himba mit ihren Viehherden. Jenes stolze Volk, das vor allem durch die auffällige rotbraune Körperbemalung, die opulente Haarpracht und den schweren Schmuck berühmt geworden ist.

Die Besiedlung durch den Menschen hat trotz der Kargheit des Landes eine lange Tradition. Die ältesten Zeugnisse menschlicher Kultur zählen fast 28.000 Jahre. Beeindruckend und gut erhalten sind die Felszeichnungen und Gravuren am Brandbergmassiv. Die imposanten Freiluftgalerien von Twyfelfontein gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Ein ganz anderes Stück Kulturgeschichte verleiht dem Land einen zusätzlich exotischen Anstrich: die deutsche Kolonialvergangenheit. Obwohl die Ära von „Deutsch-Südwest“ wenig ruhmreich und auch vergleichsweise kurz war, hat sie bis heute unübersehbare Spuren hinterlassen. Schwarzwälderkirschtorte und Filterkaffe mitten in der Wüste? Eisbein und Sauerkraut im Schatten eines Baobab-Baums? Das gibt es wohl nur hier. Es mutet schon ein wenig eigentümlich an, wenn sich zwischen Fachwerkhäusern und Jugenstilvillen die Dünenkämme der Namib am Horizont erheben. Oder von Makalani-Palmen gesäumte Straßenschilder den erstaunten Besucher in der Bismarck-Straße wähnen. Doch sind es genau diese starken Kontraste, die den besonderen Reiz Namibias nun einmal ausmachen.

Alles in allem hat das Land so viel zu bieten, dass die Urlaubsstunden im Gepardentempo zu vergehen scheinen. Viel zu früh kündigt der Sonnenuntergang das Ende eines jeden abenteuerlichen Tages an. Erinnert in kitschigen Purpurfarben daran, dass die Zeit für den unvermeidlichen Sundowner bereits gekommen ist. Wenn etwas später das Kreuz des Südens unfassbar klar und zum Greifen nah die afrikanische Nacht erleuchtet und ein Schakal hungrig um die Zelte schleicht, dann weiß das Globetrotterherz: in Namibia erlebt man Afrika pur.

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Kommentare

  1. Hallo Herr Köster,

    ein wunderbar geschriebener Beitrag – von den Bildern ganz zu schweigen.

    Namibia gehört für mich zu den Ländern, die beim erneuten Besuch sogar noch gewinnen. Auch beim zweiten Besuch verliert einen Sonnenaufgang im Sossusvlei nichts von seiner Faszination!

    Viele Grüße

    Daniela Köster

    1
  2. Hallo Frau Köster,
    liebe Namensvetterin 😉

    vielen Dank für Ihr nettes Kompliment! Namibia gehört auf jeden Fall auch zu meinen Langzeitfavoriten. Und Sossusvlei ist ohnehin einzigartig. Ich werde sicherlich früher oder später auch einmal dorthin wieder hinfahren.

    Herzliche Grüße,
    David Köster

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